Archive for the ‘Promenadologie’ Category

Am Teltowkanal (Abschnitt 1)

Sonntag, November 13th, 2016

Das ist der erste Abschnitt unserer Teltowkanal-Wanderung, hier sind alle Bilder.

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Die Dahme ist aufgeregt, sie hat es bis zur Hauptstadt geschafft. Bevor sie die Spree trifft, erleichtert sie sich in den Teltowkanal.

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Hier beginnen wir bei bestem Herbstwetter den ersten Abschnitt unserer Jubiläums-Wanderung. Nein, keine Glückwünsche! Nicht wir feiern ein Wanderjubiläum, sondern der Teltowkanal ist heuer 110 Jahre alt geworden. Der Kanal ist 38,39 km lang, die durch die Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung definierte Fließrichtung geht von Ost nach West, wir gehen also kanalabwärts. Heute schaffen wir die ersten 4 Kilometer. Ob die definierte Fließrichtung mit dem natürlichen Fluss übereinstimmt, muss ich noch überprüfen, am besten durch Spucken von einer der vielen Brücken über den Kanal. Die Kilometrierung ist entgegengesetzt der Fließrichtung, sie beginnt am östlichen Ende der Glienicker Lake bei Potsdam mit km 0,0 und endet bei km 37,84 zwischen Grünau und Köpenick an der Dahme. Los geht’s!

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In Berlin gibt es nicht viele Gehöfte mit Totempfählen. 2008 wurde im Hof der amerikanischen Botschaft ein von Ellsworth Kelly entworfener Totempfahl, 13 Meter hoch, 17 Tonnen schwer, aufgestellt. Diesen Pfahl werden wir wohl nie zu sehen bekommen. Nun, an seiner Wirksamkeit kann seit der Wahl von Trump sowieso gezweifelt werden. Ein weiteres, von einem Totempfahl bewachtes Berliner Anwesen haben wir heute an den Ufern des Teltowkanals entdeckt. Ein indianisches Anwesen? oder gehört das Haus dem Wald- und Wiesenschützen Brandenburg-Berlin e.V.? Gleich in der Nähe ist nämlich eine eingezäunte Bogensportanlage. Durch den Zaum sehen wir ramponierte Metallvögel als Zielobjekte.

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Auf den ersten wenigen Kilometern gibt es sechs Brücken. Brücke Nr. 1 ist am Beginn unserer Wanderung. Über diese Brücke musst du geh’n, wenn du von Grünau nach Köpenick willst. Hier endet auf Grünauer Seite die Regattastraße, auf Köpenicker Seite beginnt die Grünauer Straße. Dann geht es immer „Am Kanal“ am Kanal entlang bis zu Brücke Nr. 2. Über diese Brücke fährt der Pendler aus KW mit der Regionalbahn zur Arbeit bis ins Herz der großen Stadt. Das ist zum Glück für uns vorbei. Über Brücke Nr. 3 führt das Adlergestell, gleich daneben Brücke Nr. 4 mit den S- und Regionalbahngleisen. Ja, seit kurzem fährt wieder eine Regionalbahn auf der Strecke Senftenberg – Eberswalde mit den uns interessierenden Haltestellen KW, Schöneweide, Ostkreuz, Lichtenberg und Hohenschönhausen. Die Köpenicker Straße führt über Brücke Nr. 5. Das ist seit ca. 20 Jahren eine Art Behelfsbrücke, die alte Altglienicker Brücke ist gesperrt. An der Brücke Nr. 6 (Wegedornstraße) reicht es uns erst einmal für heute. Der Hase, den wir im Gras entdecken, sieht auch nicht mehr ganz frisch aus.

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In Altglienicke gibt es eine Straße, die nach einem Bauern benannt ist. Der Korkedamm war im 19. Jahrhundert der Wirtschaftsweg des Bauern August Korke (1844-1900).

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Ganz besonders gefreut hat es uns, dass „Herr Krause“ wieder da ist.

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Vor einem Jahr waren wir am rechten Ufer des Teltowkanals spazieren. Dort staunten wir über das Cherenkov Telescope Array. Wird das Teil noch genutzt?

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Mitgehört

Samstag, November 5th, 2016

9 Lives
Gabi betrachtet „9 Lives“ von April Gertler in der Galerie im Körnerpark

Bisweilen, wenn ich durch die Straßen gehe, vernehme ich Bruchstücke intimer Gespräche, und fast alle betreffen die andere Frau, den anderen Mann, den jungen Mann einer dritten oder die Geliebte eines vierten … Beim bloßen Anhören dieser Schatten menschlicher Rede, worin sich erschöpft, womit sich die Mehrheit bewußter Menschen beschäftigt, überkommt mich Abscheu und Langeweile, eine Angst vor dem Exil unter Spinnen und das Bewußtsein, unter wirklichen Menschen erdrückt zu werden; ich fühle mich dazu verurteilt, dem Vermieter und den übrigen Mietern des Häuserblocks gegenüber ein gleichgestellter Nachbar zu sein, der angeekelt durch das hintere Gitter des Lagerraums den fremden Müll betrachtet, der sich bei Regen in dem Hinterhof stapelt, der mein Leben ist.
(Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares, 312)

Drachen

Dienstag, August 9th, 2016

Drachen

Ein Drache ist ein schlangenartiges Mischwesen der Mythologie, in dem sich Eigenschaften von Reptilien, Vögeln und Raubtieren in unterschiedlichen Variationen miteinander verbinden. Häufig ist er geflügelt, mit Adlerklauen oder Löwenpranken ausgestattet und speit Feuer. Der Drache ist als Fabelwesen aus Mythen, Sagen, Legenden und Märchen vieler Kulturen bekannt; bis in die Neuzeit wurde er als wirklich existierendes Tier angesehen.
(Wikipedia)

Rom264

Bamberg224

Tier4

St. Michael-Kirchhof I

Drachen

Pumpendrachen

Das Universum übertölpeln

Samstag, November 28th, 2015

Katzen einschließen

An jedem Flyer, der über ein entlaufenes Tier informierte, musste sie stehen bleiben. Addiert ergab das im Monat bestimmt einige hundert Schweigeminuten vor Baumstämmen, Hausmauern, Säulen und Ampelmasten. Schlecht ausgedruckte, viel zu kleine Bilder von Hunden und Katzen. Einmal war es sogar ein als zierIich und sanftmütig bezeichneter Hase. Was geschah eigentlich, wenn das vermisste Wesen gefunden wurde? Ging man dann die Straßen ab und entfernte die Flyer? Wahrscheinlich. Aber vielleicht konnte man, indem man die kausale Folge umkehrte und die Flyer einfach so einsammelte, das Universum iibertölpeln und es dazu bringen, das verlorene Tier zurückzugeben.
(aus: Clemens J. Setz Die Stunde zwischen Frau und Gitarre)

Spuren

Samstag, Oktober 17th, 2015

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Mehr als einmal ist mir widerfahren, dass ich ausging, weil ich, falls ich zu Hause geblieben wäre, fürchten musste, einem plötzlichen Entschluss nicht widerstehen zu können. Die Straße ist beruhigender, weil man dort weniger an sich selbst denkt, weil sich dort alles abschwächt und mindert, nicht zuletzt die Bedrängnis.
(E. M. Cioran)

The Poetry of Pedestrians

Montag, Juli 20th, 2015

Hüte

The dangerous passivities of space surround us, more or less constantly. Signs, arrows, hedges, painted lines, paths, rails, blockades, gates, turnstiles, barbed wire — each a reduction of oneself, one of a billion tiny resignations that comprise a collective and largely unconscious numbness. To live, here and now, is to be corralled. But in daring to apply the psychogeographic ideal — in embracing the potential of the dérive — drifting becomes a form of beautiful resistance: the pedestrian recast as physical poem.
(Dusting Illingworth, more, seen by wood_s_lot)

Bauzaun

Dreieck

Walking fosters creativity

Donnerstag, Juli 9th, 2015

Going for a walk, contemporary research confirms — a mundane activity far too easily taken for granted — may be one of the most salutary means of achieving states of enlightenment, literary, philosophical, or otherwise, whether we roam through ancient forests, over the Alps, or to the corner store.
(more here)

Ganz nah am Boden

Sonntag, Juni 28th, 2015

Pavement

With your face very close to the pavement you can see a lot of grit and dirt and things that people have dropped. If you go really close then you can see the little insects and bacteria crawling around in the dirt. And if you go really, really close, then you can see the atoms themselves, spinning and vibrating and such. And then, inevitably, some idiot will shout at you to get out of the way or ask if you are alright …
(more here in
FLANEUR – Fragments of a Street – Kantstrasse
It’s a story written by Frederick Canta-Pan)

Plötzlicher Halt

Donnerstag, Oktober 16th, 2014

Geheimnisvoll schleichen dem Spaziergänger allerlei Einfälle und Ideen nach, derart, daß er mitten im fleißigen, achtsamen Gehen stillstehen und horchen muss, weil er, über und über von seltsamen Eindrücken, Geister-Gewalt benommen, plötzlich das bezaubernde Gefühl hat, als sinke er in die Erde hinab, indem sich vor den geblendeten, verirrten Denker- und Dichteraugen ein Abgrund öffne.
(Robert Walser in: Der Spaziergang)

ROT

Why Walking Helps Us Think

Mittwoch, September 24th, 2014

Spreewald114

Where we walk matters as well. In a study led by Marc Berman of the University of South Carolina, students who ambled through an arboretum improved their performance on a memory test more than students who walked along city streets. A small but growing collection of studies suggests that spending time in green spaces—gardens, parks, forests—can rejuvenate the mental resources that man-made environments deplete. Psychologists have learned that attention is a limited resource that continually drains throughout the day. A crowded intersection—rife with pedestrians, cars, and billboards—bats our attention around. In contrast, walking past a pond in a park allows our mind to drift casually from one sensory experience to another, from wrinkling water to rustling reeds.
(more here)