Archive for the ‘JWD’ Category

Abenteuer in Kassel (d14-3)

Samstag, September 2nd, 2017

Auf dem Bahnhofsvorplatz steht auf einer Säule „Das ist doch keine Kunst“.
Ist damit der „Parthenon der Bücher“ von Marta Minujins gemeint?

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In Kassel steht eine Variation einer Skulptur, die Minujin bereits 1983 in Buenos Aires realisierte. Mehr als 20000 Bücher, die während des argentinischen Militärregimes (1976-1983) verboten waren, hingen damals an der maßstabstreuen Replik des griechischen Parthenons.

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Das Kassler Parthenon ist auch mit irgendwann und irgendwo verbotenen Büchern behängt. Schon ein flüchtiger Blick genügt, um festzustellen, dass viele Bücher zig-fach vorhanden sind. Verlage haben offensichtlich die Gelegenheit genutzt, ihre Ladenhüter loszuwerden.
Nacht soll das „Parthenon der Bücher“ schön beleuchtet sein und überhaupt ist das Ganze sehr dekorativ. Nun, Karlheinz Schmid hat in der Kunstzeitung vorgewarnt, man kann tatsächlich nur feststellen: „Das ist doch keine Kunst“.

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Abenteuer in Kassel (d14-2)

Freitag, September 1st, 2017

BEHALA

In Berlin steht seit Mai 1999 die Drei-Personen-Skulptur „Molecule Man“ von Jonathan Borofsky.
Sein Himmelsläufer (Man Walking to the Sky) steht seit 1995 auf dem Bahnhofsvorplatz in Kassel und ist zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden. Das Borofsky-Werk stand zur Documenta 9 (1992) unmittelbar vor dem Fridericianum.

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Man walking to the sky

Abenteuer in Kassel (d14-1)

Freitag, September 1st, 2017

Ehemaliger Unterirdischer Bahnhof

Kurze Menschenschlangen bilden sich mitten auf dem Platz vor dem Hauptbahnhof in Kassel. Sie stehen vor einem simplen, braunen Container. Einer nach dem anderen verschwindet in der Dunkelheit des Behälters. Keiner kommt wieder heraus.
(Kunstforum International 248/249)

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„Xeipete“ ist griechisch und heißt soviel wie „Seid gegrüßt“.

Seid gegrüßt!

Obwohl ein Hauch von Trostloskeit über diesem unterirdischen Ort liegt, ist am Ende des Tunnels im wahrsten Sinne des Wortes ein Licht zu sehen: Vom Ausgang gelangt man rasch zu den Hauptveranstaltungsorten der d14 in der Kasseler Nordstadt.

Skulpturprojekte Münster 2017 (11)

Donnerstag, August 24th, 2017

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So, das war es dann erst einmal aus Münster. Schön war’s. Nächste Woche geht es zur Documenta. Wir sind gespannt.

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Sany (Samuel Nyholm)

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Michael Dean

Skulpturprojekte Münster 2017 (9)

Dienstag, August 22nd, 2017

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Youmbis Installation befindet sich auf dem stillgelegten Überwasserfriedhof. In unmittelbarer Nähe zum Grab des Generals Ludwig Roth von Schreckenstein sind in circa zehn Metern Höhe vier Masken angebracht. Vier weitere kleinere Masken hängen direkt in den Bäumen.
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Wer kennt Ludwig Roth von Schreckenstein? Wer kennt Annette von Droste-Hülshoff? Was überdauert, Politik oder Poesie, Militär oder Muse, Wichtigkeit im Leben oder Worte für die Ewigkeit? Es gibt wohl nur einen Ort in Münster, wo diese Fragen brennend werden: der alte Überwasserfriedhof. Dort hat der schottische Bildhauer Ian Hamilton Finlay 1987 bescheiden einen 35 mal 75 mal 20 Zentimeter großen Sandstein an einer Pappel anbringen lassen.
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General Ludwig Roth von Schreckenstein

Skulpturprojekte Münster 2017 (8)

Montag, August 21st, 2017

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Das ist der Nuclear Temple von Thomas Schütte.

Schütte platziert die drei Meter hohe, 2,5 Tonnen schwere, malerisch oxidierte Stahlskulptur auf dem Gelände des Alten Zoos: in die Mitte eines überschaubaren, teils von flachen Mauern gerahmten Areals, direkt auf dem sandigen Boden. Der architektonische Körper ist an seinen acht Seiten von je einem Torbogen geöffnet, über welchem sich, im oberen Drittel der acht Flächen, je drei rückseitig geschlossene Fensternischen befinden. Der Maßstab von Toren und Nischen verweist auf den Modellcharakter des Werkes, das Vorbild für einen oktogonalen Kuppelbau sein könnte. Den Innenraum teilen sechzehn, zwischen die acht Tore gesetzte Stahlwände, die sich auf das Zentrum der im Prinzip kreisrunden Grundfläche ausrichten. Je zwei Wände schließen sich alsbald und gemäß eines 45° Winkels zu einer Kammer. Zwischen den Kammern führen acht Gänge auf das Zentrum der Architektur, zu einer gemeinsam eröffneten Leerstelle, die von einem Opaion oder Auge in der Kuppel ins Licht gesetzt ist.
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Skulpturprojekte Münster 2017 (7)

Sonntag, August 20th, 2017

Lara Favaretto baut skulpturale Sparbüchsen (z.B. spendeten wir schon in Liverpool 2016) und mit den Libellen von John Knight könnte man feststellen, ob sie ordentlich aufgestellt wurden.

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Monumentary Monument – The Stone (Lara Favaretto)

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A Work in situ (John Knight)

Skulpturprojekte Münster 2017 (6)

Donnerstag, August 17th, 2017

In Münster installiert Nicole Eisenman eine mehrfigurige Brunnenanlage inmitten der Promenade. Das Ensemble aus fünf überlebensgroßen Figuren aus Bronze oder Gips ist locker um ein Wasserbecken gruppiert. Die unbekleideten Figuren mit voluminösen Proportionen, die nicht eindeutig einem Geschlecht zuzuordnen sind, nehmen unterschiedliche Haltungen ein. Erzählerische Momente begleiten die zwanglose Szenerie: Eine ihre Nacktheit selbstbewusst zur Schau stellende Figur streckt sich inmitten des Wassers dem Himmel entgegen, während die anderen um das Becken abhängen, ein Sonnenbad nehmen oder versunken ins spiegelnde Nass blicken. Aus drei Körpern rinnt Wasser, während kleinteilig modellierter Pilzbewuchs zu Füßen einer Figur sprießt. Wie der Farbauftrag in Eisenmans Bildern variiert die Textur der Figuren.
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Die Enthauptung einer Figur aus Nicole Eisenmans Skulptur-Projekte-Beitrag „Sketch for a fountain“ sorgt international für Aufsehen.
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Skulpturprojekte Münster 2017 (5)

Mittwoch, August 16th, 2017

Priviliged Points von Nairy Baghramian

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Die Iranerin Nairy Baghramian stellt einen Bausatz für eine Bronzewurm bereit. Auf dem Vorplatz des Erbdrostenhofs sind schon drei Teile probeweise zusammengestellt, auf dem Hinterhof liegen weitere, noch unlackierte Teile herum. Der Käufer kann das Werk vollenden lassen (oder auch nicht).

Vor zwei Jahren hat Nairy Baghramian schon einmal Priviliged Points im Neuen Berliner Kunstverein ausgestellt.

An Wänden und Böden hat Baghramian sehr sparsam drei gebogene Objekte angebracht, die entfernt an jene schwungvollen Linien erinnert, mit denen man in Texten wichtige Stellen einkreist. „Priviliged Points“, „bevorzugte Stellen“ – so der Titel – ist aber keine Installation, die Sichtbares hervorhebt, sondern bei der die Umkreisungen selbst zum skulpturalen Objekt werden, das einen durchaus auch an Linien auf Gemälden Jean Miros oder der Skulpturen Hans Arps erinnern könnte. Sie scheinen bestimmte Stellen im Raum hervorzuheben, tatsächlich aber sieht man außer ihnen selbst nichts weiter.
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Skulpturprojekte Münster 2017 (4)

Dienstag, August 15th, 2017

Naumburg 045
Nietzsche-Denkmal (H. Apelt) in Naumburg

In meinen Notizen zu einer Naumburg-Reise steht, dass mir auf dem Weg zum Hotel Nietzsche fast zum Verhängnis geworden wäre. Auf dem Neumarkt steht das Nietzsche-Denkmal von Heinrich Apelt. Das muss natürlich fotografiert werden. Dabei achte ich nicht auf den Rinnenbrunnen, der quer über den Platz verläuft. Ich knicke um, der rechte Fuß taucht schmerzhaft ins kalte Wasser. Als wir am Abend nochmals über den Platz laufen – ich zum Glück ohne Krücken – ist diese gefährliche Rinne gesichert und abgedeckt.

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Nietzsches Felsen (Justin Matherly) in Münster

Nietzsches Lehre von der Ewigen Wiederklehr ist aus der kreisenden Bewegung seiner Gedanken entstanden. Ihm gelingt nicht, ihren Kreisverkehr anzuhalten und sich auf ein erlösendes Prinzip festzulegen. Warum dann nicht gleich die Bewegung der Gedanken zum Weltprinzip machen? Hier meldet sich das Thema der Erschöpfung, das sich nach einem jubelnden Akzeptieren sehnt.
(Henning Ritter)

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Im Vordergrund: Unteilbares Deutschland (Anni Buschkötter, 1960)

Wie vom Himmel gefallen wirkt Matherlys Skulptur auf der Grünfläche der Promenade. An mehreren Stellen sind Brüche und Löcher im Material zu sehen. Die Gehhilfen treten mal deutlich hervor, mal verschwinden sie ganz im grauen Material. Als Readymades, Objekte aus dem alltäglichen Leben, übernehmen sie die Funktion des Sockels und sind selbst Teil der Skulptur. Mit ihnen führt der Künstler ein Maß ein, das eng mit dem menschlichen Körper in Beziehung steht. Einige der Gehböcke dieser Skulptur sind nicht neu und stammen aus der weiteren Umgebung von Münster. Trotz ihrer Massivität strahlt die Skulptur eine Leichtigkeit aus, scheint wie über der Erde zu schweben.
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Sils Maria – für Nietzsche ein Ort der Erleuchtung