Aufbau der Republik

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1949 kehrte Max Lingner nach Deutschland zurück und wurde Professor für Malerei des Zeitgeschehens an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Bei seiner Rückkehr schenkte er 40 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen dem „Volk des fortschrittlichen Deutschlands“. Darunter war eines seiner bekanntesten Bilder, Mademoiselle Yvonne. 1950 gründete er mit anderen die Deutsche Akademie der Künste in Berlin. In dieser Zeit geriet er unter „Formalismus“-Verdacht, wobei ihm seine von Frankreich beeinflusste Bildsprache vorgeworfen wurde. Auch eines seiner herausragendsten Werke, das monumentale Wandbild Aufbau der Republik am einstigen Haus der Ministerien (heute Bundesfinanzministerium, während der nationalsozialistisch-faschistischen Zeit zwischen 1933 und 1945 Reichsluftfahrtministerium) in der Leipziger Straße geriet in die Kritik von Regierung und Kulturfunktionären. Lingner wurde hier nicht nur die für seinen „französischen“ Stil typische Leichtigkeit der Figuren vorgeworfen, sondern auch, dass er einen Traktor auf dem Gemälde nicht dem tatsächlichen Modell entsprechend exakt dargestellt hatte. Das Bild wurde schließlich den meisten Punkten der Kritik entsprechend angepasst.

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Die französische Note in Lingners Stil, diese feine erotische Eleganz der Frauen – fast immer waren es Arbeiterinnen aus den Banlieues – brachte Lingner den Vorwurf des „Formalismus“ ein: „zu französisch“. Der hobbymalende DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl höchstselbst „korrigierte“ einige Szenen im Fries hin zum Biederen. Lingner hat sich damals selbstquälerisch gemüht, dem gegen ihn erhobenen Vorwurf des „westlich-dekadenten“ Formalismus zu entkommen. Auch unter diesem Blickwinkel sollte man heute sein fröhliches Wandbild in Mitte sehen.
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