Immer am Bücherregal entlang (9)

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Ein Horlbeck-Buch

Die Überschrift entspricht nicht vollständig den Tatsachen, denn genaugenommen handelt es sich um eine Auswahl aus der Lyrik von Christian Morgenstern, die der Leipziger Reclam Verlag unter dem Titel „Neue Bildungen, der Natur vorgeschlagen“ vor kurzem (im Titel steht 1978) herausgegeben hat. Das buchkünstlerisch Besondere dieses schönen Bandes (Gestaltung Walter Schiller), den Heinz Czechowski (mit einem Nachwort von Diether Schmidt) verantwortet, sind die ganzseitigen, drucktechnisch vorzüglich gelungenen Reproduktionen nach 12 Zeichnungen und 9 Radierungen des Leipziger Graphikers Günter Horlbeck. Der Künstler, zugehörig dem Jahrgang 1927 und Inhaber einer Professur an der Dresdener Kunsthochschule, demonstriert in den Arbeiten, parallel zu Morgenstern, die Fabulierlust und das Spielerische seiner Linienkunst.
Horlbeck zeichnet kristallinische Traumlandschaften aus frei schwebenden Linien. Bei allem ästhetischen Raffinement, das in dieser Kunst lebt; wirken sie einfach, spontan hingeschrieben und zugleich diszipliniert. Die Blätter haben eine merkwürdige Verwandtschaft zu Zeichnungen des Federico García Lorca, die aber Horlbeck kaum bekannt sein dürften.
Es gibt nicht sehr viele belangvolle graphische Antworten auf die Lyrik Morgensterns, vieles ist – gründlich mißverstanden – ins bloß Spaßige, ins Nachäffen gerutscht. Horlbeck reagiert mit einer eigenen Bildwelt, die nicht als Illustration aufgenommen werden darf, sondern wie eine freie Interpretation gelesen sein will
(Lothar Lang in der Weltbühne 26/1979)

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