Posts Tagged ‘Straße der Erinnerung’

Käthe Kollwitz

Donnerstag, Juni 27th, 2013

Kohl weiht Kollwitz-Büste ein.

KK2

Im Jahr 1922 setzte sie [Käthe Kollwitz] den Totenschädel-Mond in das Dunkel über gebeugten Kindern, die sich im Einklang mit den Millionen in Ketten gelegten Freiwilligen unseres Jahrhunderts in Krämpfen wanden; der Titel ist Hunger, und ich habe gelesen, dass dieses Bild, in einer schlechten Reproduktion aus einer antiquarischen Monografie, jahrzehntelang auf der Lauer lag wie eine Tretmine, mit dem einzigen Zweck, Schostakowitschs Tochter Galina zu erschrecken; eines Tages, als sie … die Bücherstände an der Newa durchstöberte, ging die Mine hoch: Galina … öffnete zufällig den Band …
Die Kraft des Bildes war so groß, dass sie einen Alptraum hatte, und am Morgen entdeckte ihr berühmter Vater, gerade selbst von Ängsten geplagt, einen seltsamen Jammer in ihrem Gesicht, der ihn traf wie ein Schlag in den Magen; dieser Eindruck ging später, angemessen in den Akkord D-D-Sch übersetzt, sowohl in seine 15. Sinfonie als auch in das gottlose Opus 110 ein.
(aus: William T. Vollmann – Europe Central)

Georg Elser

Montag, Januar 11th, 2010

Georg Elsner

Georg Elser in der Straße der Erinnerung

Um ihn ranken lange Zeit viele Gerüchte.
Noch weit nach dem Krieg wird er diffamiert. Manche sehen in dem einfachen Handwerker und Hilfsarbeiter eine Marionette der Nazis. Erst 1969 werden alle Zweifel ausgeräumt: Georg Elser ist allein, als er Hitler töten will und am 8. November 1939 eine Bombe im Münchner Bürgerbräukeller zündet. Acht Menschen sterben. Hitler kommt davon, weil er 13 Minuten zuvor den Keller überraschend verlässt. Wäre das Attentat gelungen, es hätte den Gang der Weltgeschichte wie kein anderes Ereignis den 20. Jahrhundert verändert. Nach seiner Verhaftung gesteht Elser die Tat. Er wird ins KZ Sachsenhausen verschleppt, später in Dachau gefangen gehalten. Dort wird er auf Befehl Hitlers am 9. April 1945 erschossen.

Edith Stein

Mittwoch, April 15th, 2009

Edith Stein

Edith Stein in der Straße der Erinnerung

Edith Stein kam als Kind jüdischer Eltern zur Welt, ihr Vater war ein wohlhabender Holzhändler. Sie studierte Philosophie in Göttingen und Breslau, promovierte „summa cum laude” bei Edmund Husserl in Freiburg über das Thema „Einfühlung” und wurde Assistentin des berühmten Philosophen, als jüdischer Frau verwehrte man ihr aber die Habilitation. 1922 konvertierte sie nach der Lektüre der Biografie der Teresia von Ávila zur katholischen Kirche und wollte Nonne werden, was ihr aber auch verwehrt wurde.
(mehr hier im Ökumenischem Heiligenlexikon)

Mit einer Hingabe, die er als die Frömmigkeit eines Atheisten bezeichnete, nahm er Anteil an ihrem Leben und ihrem Sterben. Im Herbst 1945 fuhr er nach Nürnberg, weil er ihrem Mörder Seyß-Inquart in die Augen sehen wollte, und als sie von Papst Johannes Paul II. heiligesprochen wurde, sei er, sagte er, sehr verwirrt gewesen. Wörtlich sagte er: „Ich glaubte, ich müsse mich übergeben.“ Edith Stein, die sich seit ihrem Eintritt in den Karmeliterorden Teresia Benedicte a Cruce nannte, wurde als „katholische Märtyrerin“ heiliggesprochen. „Pius XII. hat nichts unternommen, um ihr Leben zu retten“, sagte Carl, „und nun spricht sie einer seiner Nachfolger heilig. Sie ist ja nicht wegen ihres katholischen Glaubens in Auschwitz ermordet worden, sondern weil sie Jüdin war.“
(aus: Michael Köhlmeier Abendland)