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Ein Wochenende in Erfurt – Sonnabend

Dienstag, März 5th, 2013

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„Wissen Sie, warum man stinkreich sagt?“
„Weil die Erfurter ihr vieles Geld vor allem durch Waid verdient haben. Diese Blaufärbepflanze zu verarbeiten, bedurfte es allerdings größerer Mengen männlichen Urins, also wurden an den Ausgängen der Wirtshäuser Fässer aufgestellt …“

Weil man es so selten erlebt, sollte ich es erwähnen: Das Frühstück im Hotel war ausgezeichnet. Alles, was das Herz begehren könnte (leider brauche ich zum Frühstück nur sehr wenig) war da und es gab keine Buffetschlangen. Der Kaffee war heiß und kräftig. Da kann man fast vergessen, dass WLAN hier nicht kostenfrei ist. 3€ die Stunde, 9 € einen Tag … man will doch nur mal kurz im Internet gucken, Facebook bestücken oder auf Mails antworten.

Es ist jetzt 14.30 Uhr. Kleine Pause im Hotel. Seit 9.00 Uhr sind wir auf den Beinen. Bei diesem herrlichen Sonnenschein mag man einfach nicht halt machen. Immer weiter und die Stadt bietet ja auch hinter jeder Ecke ein neues Highlight.

Martin Luther sagte über seine Studienzeit in Erfurt, dass diese Stadt „nichts besseres gewest dann ein hurhauß und bierhauß“. Das mit den Hurenhäusern können wir bei dem kurzen Aufenthalt nicht einschätzen, aber Bierhäuser gibt es wirklich eine stattliche Anzahl. Heute erging es uns aber wie so oft, eben hatten wir noch gemeint, dass wir hier die Qual der Wahl hätten um mittags speisen zu gehen, als uns dann der Hunger tatsächlich überfiel, war auf einmal nichts Passendes zu finden. Zu guter Letzt nahmen wir mit einem Griechen vorlieb. Heute Abend gibt es wieder thüringische Kost.

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Es ist jetzt 20.00 Uhr, gegessen haben wir im Wirtshaus Christoffel mit mittelalterlicher Erlebnisgastronomie. Eigentlich haben wir gar nicht geschmeckt, ob es denn gut oder nicht so gut war, wir waren einfach nur froh sitzen zu können. Auf dem Weg ins Hotel mussten wir dann aber noch ein paar Taschenfläschchen (das könnte ich jetzt nicht mehr locker aussprechen) zur Verdauungsunterstützung kaufen.

Kulturelle Highlights des Tages: Festsaal im Rathaus und Heckelraum im Angermuseum.

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Ein Wochenende in Erfurt – Heckelraum

Montag, März 4th, 2013

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Das „Großreinemachen“ wurde prompt und gründlich erledigt, die Mitteldeutsche Zeitung war hoch befriedigt. Schon am 1. April 1933, zwei Monate nach Hitlers Machtantritt, konnte das Blatt aus dem Erfurter Angermuseum berichten, den meisten Schausälen sei kaum noch anzumerken, „welche Orgien der Kunstbolschewismus hier gefeiert hat“. Nur eine „Schreckenskammer“ erinnere noch an „schauerliche Verirrungen des menschlichen Geistes“.

Die angebliche Gruselwirkung ging von einem gewölbten Raum des barocken Hauses aus, den ein Jahrzehnt zuvor der Expressionist Erich Heckel mit figurenreichen Wandbildern zum Thema „Lebensstufen“ geschmückt hatte.
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Ein Wochenende in Erfurt – Freitag

Sonntag, März 3rd, 2013

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Am Morgen haben wir uns so richtig Zeit gelassen. Sonne ist erst für den Nachmittag versprochen. Das ist ein gutes Zeichen für unseren Ausflug, denn trotz unseres über den Winter erschütterten Glaubens an das heliozentrische Weltsystem hat sich das Zentralgestirn heute laut Wetterbericht entschlossen hervorzukommen. Es will uns auf unserem Ausflug nach Erfurt frühlingsgerecht leuchten. Heute ist der meteorologische Frühlingsanfang, den habe ich am Vormittag noch phänomenologisch unterstützt, indem ich ein Vogelhäuschen an der Pergola angebracht habe.

Am Bahnhof Südkreuz wird bekannt gegeben, dass unser Zug nach Leipzig von einem anderen Bahnsteig fährt. Leider vergisst man anzusagen, dass auch die Wagenreihung eine total andere ist. Wir müssen uns durch mehrere Waggons quetschen und plötzlich, unsere Plätze sind schon in Sichtweite, will die Schaffnerin in der größten Drängelei die Fahrkarten sehen. Sie will uns nicht durchlassen, dabei bin ich frisch rasiert. Ich hoffe, ich muss mich an diesem Wochenende nicht oft so aufregen, sonst versagt mein Rasierwasser.

Die Züge sind immer gut gefüllt. Die Leute verreisen viel. Warum nehmen sie nicht ihr schönes Auto?

Es ist jetzt 12.47 Uhr. Noch 15 Minuten bis Leipzig. Noch keine Sonne zu sehen. Wann beginnt der Nachmittag?

Eine Frau hinter mir kauft einen Kaffee und wundert sich über den Preis: „2,80€ – das sind ja sechs Mark!“

Der Zugwechsel hat geklappt, aber auch der Zug von Leipzig nach Wiesbaden über Erfurt ist rappelvoll. Gut, dass wir Plätze reserviert haben.

13.45 Uhr und es ist immer noch nicht nachmittags. Auf den Feldern sind Schneereste. Unser Zug nähert sich Erfurt. Die Landschaft wird immer heller … immer mehr Schnee. Das war so nicht abgemacht. Sonne sollte die Landschaft erleuchten.

„Im März 1913 fährt Kafka tatsächlich zu Felice Bauer nach Berlin, sie versuchen zusammen spazieren zu gehen, doch es klappt nicht.“ (aus: Florian Illies 1913 – Der Sommer des Jahrhunderts).

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Im März 2013 fährt MT mit GB nach Erfurt, sie versuchen schon am Anfangstag die Stadt zu erkunden, und es klappt. Allerdings haben sie sich am Freitag nur einen Überblick verschafft, es bleibt für das Wochenende noch viel zu tun.

In einem Gasthaus am Wenigemarkt essen wir die ersten hausgemachten Thüringer Klöße. Die schmecken aber auch gut.

Im Kunsthaus Erfurt stellen YEA aus. Yeah, YEA – Young Erfurt Artists.

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