Posts Tagged ‘Zitat’

Sardische Augenblicke (VII)

Dienstag, Juli 7th, 2015

Cagliari044

Wer mit Pfeilen eine Wolke erlegen will, wird vergeblich seine Pfeile verschießen. Viele Bildhauer sind solch wunderliche Schützen.
Einer Wolke muss man auf einer Trommel etwas vorgeigen oder auf einer Geige etwas vortrommeln. Dann wird es nicht lange dauern, bis sich die Wolke niederlässt, sich vor Glück am Boden wälzt und schließlich entgegenkommend versteinert. Der Bildhauer hat so im Handumdrehen die schönste Plastik fertig.
(Hans Arp: Werkstattfabeln, 1955)

Römische Geschichten (VIII)

Donnerstag, Juli 2nd, 2015

Wolfgang Lange
Auf den Spuren Goethes, unfreiwillig:
Rolf Dieter Brinkmann in Italien

Rom189

Rom129

Man müßte es wie Göthe machen, der Idiot: alles und jedes gut finden/was der für eine permanente Selbststeigerung gemacht hat, ist unglaublich, sobald man das italienische Tagebuch liest: jeden kleinen Katzenschiß bewundert der und bringt sich damit ins Gerede.
(Brinkmann)

Rom049

Balkon Nr. 46

Donnerstag, März 19th, 2015

Balkon

Am andern Tag wollte jemand wssen, ob es zu viel Kunst geben könne. „Unbedingt“, erwiderte Z. „und zwar besonders am Bau“
(Enzensberger, Herrn Zs Betrachtungen)

Plötzlicher Halt

Donnerstag, Oktober 16th, 2014

Geheimnisvoll schleichen dem Spaziergänger allerlei Einfälle und Ideen nach, derart, daß er mitten im fleißigen, achtsamen Gehen stillstehen und horchen muss, weil er, über und über von seltsamen Eindrücken, Geister-Gewalt benommen, plötzlich das bezaubernde Gefühl hat, als sinke er in die Erde hinab, indem sich vor den geblendeten, verirrten Denker- und Dichteraugen ein Abgrund öffne.
(Robert Walser in: Der Spaziergang)

ROT

Spaziergang

Mittwoch, September 10th, 2014

Einfach wunderbar

Heute wurde ich bei wood s lot auf diesen wundervollen Artikel hingewiesen: Peripateticism in Robert Walser. Da muss ich daheim gleich erst mal wieder in meinen Walsern schmökern.

Abgedeckt

Auf weitschweifigem Spaziergang fallen mir tausend brauchbare Gedanken ein, während ich zu Hause eingeschlossen jämmerlich verdorren, vertrocknen würde. Spazieren ist für mich nicht nur gesund, sondern auch dienlich, und nicht nur schön, sondern auch nützlich. Ein Spaziergang fördert mich beruflich, macht mir aber zugleich auch persönlich Spaß; er tröstet, freut, erquickt mich, ist mir ein Genuß, hat aber zugleich die Eigenschaft, daß er mich spornt und zu fernerem Schaffen reizt, indem er mir zahlreiche mehr oder minder bedeutende Gegenständlichkeiten darbietet, die ich später zu Hause eifrig bearbeiten kann. Jeder Spaziergang ist voll von sehenswerten, fühlenswerten Erscheinungen.
(Robert Walser in Der Spaziergang)

Teerofen

In den Nachmittag geflüstert

Montag, September 8th, 2014

Sonne, herbstlich dünn und zag,
Und das Obst fällt von den Bäumen.
Stille wohnt in blauen Räumen
Einen langen Nachmittag.

Garten14

Sterbeklänge von Metall;
Und ein weißes Tier bricht nieder.
Brauner Mädchen rauhe Lieder
Sind verweht im Blätterfall.

Stirne Gottes Farben träumt,
Spürt des Wahnsinns sanfte Flügel.
Schatten drehen sich um Hügel
Von Verwesung schwarz umsäumt.

Dämmerung voll Ruh und Werin;
Traurige Gitarren rinnen.
Und zur milden Lampe drinnen
Kehrst Du wie im Traume ein.

(Georg Trakl)

Garten13

Garten

Spreewald

Sonntag, August 24th, 2014

„Raten Sie mir doch, Herr Professor, “ fragte der Fürst, „welche Motion ist die beste?“ – „Gehen, Durchlaucht, als die rechte Mitte zwischen Reiten und zwischen Fahren“, antwortete Katzenberger. „Aber ich gehe täglich, und es hilft mir wenig“, versetzte der dickleibige Regent. „Wahrscheinlich darum,“ sagte der Doktor, „weil Höchstderoselben vielleicht nur mit den Füßen gehen; was zum Teil seine Nachteile hat -“ (der Fürst sah ihn fragend an) „denn auch mit den Händen muß zu selber Zeit gegangen und sich bewegt werden, da wir Säugetiere in Rücksicht des Körpers ja Vierfüßer sind, wie Moscati sehr gut, nur mit Übertreibungen, bewiesen.“

„Dann“, fuhr der Doktor fort, „kann man noch mehr tun. Da eigentlich das Säuern oder Entkohlen des Blutes das Ziel alles Lustwandelns ist: so halt‘ ich auf Spaziergängen meinen Mund außerordentlich weit aufgesperrt, um so die Luft stromweise in meine Lungen einzuschütten zum Oxydieren.“
(aus: Jean Paul – Dr. Katzenbergers Badereise)

Spreewald052

Spreewald033

Gut getarnt

Wir waren eine Woche im Spreewald unterwegs, kaum Kunstspaziergänge, aber viel Motion über Wiesen und Felder. Die Arme wurden beim Paddeln gebraucht.

Eindrucksvoll

Donnerstag, Juni 12th, 2014

„Er hat=natürlich, (wie jeder echte Künstler, Zeit seines Lebens), bei jeglichem Anlaß, etwa das 5=fache eines Normalen gesehen; und sich auch 3=mal so viel davon gemerkt (& sei beides noch so ubw erfolgt).“ / (W, leicht ironisch): „Demnach dürfte kein ~echter Künstler~ unter anderem, eigentlich keine längeren Reisen vertragen : wär’er doch, schon nach ein paar Tagen, dann so voll mit Bilder=Eindrükkn -“
(Arno Schmidt)

und tschüss!

Ich versuche trotzdem ein, zwei Reisen, und wenn die Eindrücke nicht zu viel werden, geht es hier erst in drei Wochen weiter.

Beinchen in der Luft

Dienstag, Februar 25th, 2014

Decollage

Haben Sie jemals eine Großstadt im Schlaf überrascht, wenn sie entspannt auf dem Rücken liegt, kaum Autos in den Adern, kaum Lichter in den Augen, und nur, wenn man den Atem anhält, hört man ihr schweres Herz in den dunklen Gebäuden pochen.
(Christopher Ecker in Fahlmann)

OOX

Die Dächer von Paris, auf dem Rücken liegend, ihre kleinen Beinchen in der Luft.
(Raymond Queneau)

Wie lernt man seine Stadt kennen?

Mittwoch, Februar 12th, 2014

Schattenkegel

Eine Stadt: Stein, Beton, Asphalt, Unbekannte, Denkmäler, Institutionen.
Megalopolis. Sich polypenartig ausdehnende Städte. Verkehrsadern. Menschenmengen.
Ameisenhaufen?
Was ist das Herz einer Stadt? Die Seele einer Stadt? Warum sagt man, daß eine Stadt schön ist oder daß eine Stadt häßlich ist? Was ist schön und was ist häßlich an einer Stadt? Wie lernt man eine Stadt kennen? Wie lernt man seine Stadt kennen?
(Georges Perec, Träume von Räumen)

Schattenspiel