{"id":38,"date":"2008-02-03T17:46:33","date_gmt":"2008-02-03T16:46:33","guid":{"rendered":"http:\/\/mitue.de\/?p=38"},"modified":"2008-02-03T17:47:22","modified_gmt":"2008-02-03T16:47:22","slug":"zilleball-1927","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mitue.de\/?p=38","title":{"rendered":"Zilleball 1927"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/mitue\/2238747635\/\" title=\"Zilleball 1927 by mitue, on Flickr\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" border=\"0\" width=\"500\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2344\/2238747635_0cb4c28cea.jpg\" alt=\"Zilleball 1927\" height=\"410\" \/><\/a><\/p>\n<blockquote><p>Da fuhren die Sechstausend zum <a href=\"http:\/\/www.luise-berlin.de\/bms\/bmstxt00\/0006gesh.htm\">Zilleball im Sportpalast<\/a> vor. Eine ganze Stadt, die sich aus \u00dcbermut f\u00fcr eine Nacht in Fetzen und Lumpen warf, der Kurf\u00fcrstendamm in das Gewand der Ackerstra\u00dfe, die wohlsituierte Brieftasche in den zerschlissenen Rock des letzten Elends.<br \/>\nAber drau\u00dfen, am Eingang, durch die Z\u00e4une lugend, stark frierend, standen die wirklichen Zilletypen. ( &#8230; )<br \/>\nDurch ihr Spalier mu\u00dfte der Meister Heinrich Zille hindurch, als er nach 1 Uhr, den Kragen hochgeschlagen, das Milieu des Sportpalastes verlie\u00df. Seine Modelle erkannten ihn nicht &#8211; aber ihm gen\u00dcgte die eine Sekunde des Vorbeigehens an der Hundertschaft der hungernden Kr\u00fcppel und kessen Raben, um sie alle, alle zu sehen und ihrer aller Schicksal zu erkennen. Das h\u00e4ngte sich in seine Gedanken und machte seine Schritte schwer, als er langsam und nachdenklich seiner Mansarde zustrebte. Und er dachte bei sich: \u00bbAlles sch\u00f6n und gut, aber ein Zilleball war es nicht. (&#8230;) Es ist ja auch gar nicht wahr, da\u00df ich ein Humorist bin. In den <em>Lustigen Bl\u00e4ttern<\/em> sind meine Bilder blo\u00df deshalb erschienen, weil kein anderer als der wackere Dr. Eysler den Mut hatte, sie zu bringen. In Wahrheit waren sie ja zum Weinen statt zum Lachen gemacht. (&#8230;) Wenn ich zu bestimmen h\u00e4tte, wo mein Denkmal hink\u00e4me, m\u00f6chte ich es lieber vor dem Zentralarbeitsnachweis als auf einem Ball im Sportpalast haben.\u00ab<br \/>\n(Peter Sachse im Berliner Journal, Nummer 155, 1927)<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/mitue\/2188406545\/\" title=\"Heinrich Zille by mitue, on Flickr\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" border=\"0\" width=\"500\" src=\"http:\/\/farm3.static.flickr.com\/2286\/2188406545_40bc5ba3e4.jpg\" alt=\"Heinrich Zille\" height=\"333\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nun, ein Arbeitsamt gibt es da nicht, aber im Nikolaiviertel steht seit einigen Wochen die Skulptur eines sehr schlanken Heinrich Zille. Die Skulptur wurde von Torsten Stegmann anl\u00e4sslich des 150. Geburtstages von Zille geschaffen.<br \/>\nEs gibt gegenw\u00e4rtig <a href=\"http:\/\/mitue.de\/?p=16\">einige Ausstellungen<\/a> zu Zilles Ehren in Berlin, letztens sahen wir auch einige Arbeiten in der <a href=\"http:\/\/www.leo.coppi.de\/\">Galerie Leo.Coppi<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da fuhren die Sechstausend zum Zilleball im Sportpalast vor. Eine ganze Stadt, die sich aus \u00dcbermut f\u00fcr eine Nacht in Fetzen und Lumpen warf, der Kurf\u00fcrstendamm in das Gewand der Ackerstra\u00dfe, die wohlsituierte Brieftasche in den zerschlissenen Rock des letzten Elends. Aber drau\u00dfen, am Eingang, durch die Z\u00e4une lugend, stark frierend, standen die wirklichen Zilletypen. 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