In Teneriffa gab es einmal einen Drachenbaum, dem Alexander von Humboldt 1810 auf ein Alter von mehreren tausend Jahren schätzte. Später fanden sich andere Autoren, die das angenommene Alter bis auf 6000 Jahre hochsetzten. Erich Haeckel meinte 1923, dass es vielleicht 600 Jahre sein könnten. Heute wird einigen prächtigen Exemplaren ein Alter von 150 Jahren zugebilligt.
(Infos aus: Günther Kunkel Die Kanarischen Inseln und ihre Pflanzenwelt)
Dann erst erblickte er den Drachenbaum. Der Baum war riesenhaft und wohl Jahrtausende alt. Er war hier gewesen noch vor den Spaniern und vor den alten Völkern. Er war dagewesen vor Christus, Buddha, Platon und Tamerlan. Humboldt horchte an seiner Uhr. Wie sie, tickend, die Zeit in sich trug, so wehrte dieser Baum die Zeit ab: eine Klippe, an der ihr Fluß sich brach. Humboldt berührte den schrundigen Stamm. Weit droben liefen die Äste auseinander, das Zwitschern Hunderter Vögel durchdrang die Luft. Zärtlich strich er über die Rinde. Alles starb, alle Menschen, alle Tiere, immerzu. Nur einer nicht. Er legte seine Wange ans Holz, dann wich er zurück und sah erschrockenum sich, ob ihn jemand gesehen hatte. Schnell wischte er die Tränen weg …
(aus: Daniel Kehlmann Die Vermessung der Welt)
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