Zwei Wochen in Lissabon (2)

Das gehört für mich zum Urlaub dazu: jeden Morgen Schrippen holen. Die Urlaubsunterkunft wird so ausgewählt, dass Schrippenholen und Frühsport eine Urlaubseinheit bilden. Diesmal sind es 78 Stufen unterschiedlicher Höhe in einem engen Treppenhaus, also 78 runter und 78 wieder rauf. Runter hat heute schon gut geklappt, hoch muss ich noch etwas üben.

So war Lissabon. Ein Zentrum, die Baixa [NKS: da haben wir gewohnt], die sich für kosmopolitisch hielt, und ein paar mehr oder weniger außerhalb gelegene Viertel, die im Allgemeinen durch eine einzige Straße mit der Stadtmitte verbunden waren, eine Nabelschnur mit gemächlich rumpelnder Straßenbahn.
(Maria Isabel Barreno, Lissabon durch die Jahrhunderte.)

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Normalerweise kümmern wir uns nicht um den öffentlichen Nahverkehr, aber wenn man zwei Wochen Zeit hat, möchte man jeden Winkel der Stadt kennen lernen. Das Tarifsystem in Lissabon ist auch für den erfahrenen Großstädter nicht trivial. Am Besten man kauft sich eine Wiwa Wiascheng (so wird es ungefähr ausgesprochen) Chipkarte für 50 Cent, diese Karte ist aufladbar und nutzbar in der Metro, in den Straßenbahnen und in den Bussen. Für die Vorortzüge und für die Fähren muss man andere Fahrkarten kaufen, die aber auch auf solchen Karten gespeichert werden. Nur mit Viva Viagem Chipkarten kann man die elektronischen Zugangssperren überwinden.
Am Ende der Reise werden wir von diesen Karten eine ganze Sammlung haben, weil wir nie die passende Karte dabei hatten, wenn wir uns entschieden, den Fußweg mit einer Fahrt im öffentlichen Verkehrsmittel abzukürzen … und uns einfach hinten auf das Trittbrett zu stellen, trauten wir uns dann doch nicht (mehr). Vor vielen Jahren in Chemnitz (und als ich aufsprang in Karl-Marx-Stadt) bei der Linie 3 nach Rottluff war das kein Problem. Man musste nur aufpassen, dass der Schaffner im anderen Waggon war.

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Vorn: anstellen, einsteigen und bezahlen; Hinten: warten, aufsteigen und gut festhalten
Viva Viagem
Los geht’s ohne Viva Viagem

2600 Restaurants soll es in Lissabon geben. Wir haben Hunger und sind bei unserem Spaziergang in einer Gegend ohne Restaurants gelandet. Das ist immer so zu Urlaubsbeginn. Dann hat es doch noch geklappt und wir waren mit den selbst ausgewählten Fischen vom Grill zufrieden. Nur mit dem Bier müssen wir aufpassen, das wird doch tatsächlich, wenn man nichts sagt, in Kölsch-Gläsern serviert. Der arme Kellner, das ist ja ein einziges Hin- und Hergerenne.

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Das ist Luiz de Camoes. Er verlor in einer Schlacht gegen die Mauren sein rechtes Auge.

Heute besuchten wir en passant den Palacio de São Bento. Dort ist seit 1894 der Sitz des portugiesischen Parlaments. Es muss Tag der offenen Tür gewesen sein:

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Im Atrium sahen wir eine seltsame Büste. „Dieser Einäugige ist Luiz de Camoes, unser Nationaldichter“, sagte ein Parlamentsdiener. Mal sehen, ob ich nachträglich Bildungsurlaub beantragen kann, wenn ich nachweisen kann, die Lusiaden gelesen zu haben:

Hört auf denn, von den weiten Meeresfahrten
des schlauen Griechen, des trojan’schen Helden;
hört auf, vom Ruhme der erkämpften Siege
Trajans und Alexanders noch zu reden!
Denn vom erhabenen Mut der Lusitanen,
dem Mars und Neptun sich gebeugt, sing ich.

Die Lusiaden sind die Bewohner Lusitaniens, der römische Name für Portugal, der auf Lusus, einen Gefährten des Bacchus zurückgehen soll.

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Blick von der Parlamentsterrasse auf die Stadt

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Strength – Skulptur im Parlamentsgarten, Künstler unbekannt

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Justice – Skulptur im Parlamentsgarten, Künstler unbekannt

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