Kunstspaziergänge – München und Umgebung (10)

Sorolla in der Kunsthalle München

Mit seinem unverwechselbaren Stil, der sich durch kompositorische Kraft, eine sichere, lockere Pinselschrift und eine außergewöhnliche Farbigkeit auszeichnet, trug er zur Entwicklung eines Naturalismus bei, der den Glanz und die Lichthaltigkeit des Impressionismus mit der zeichnerischen Sicherheit, der kompositorischen Festigkeit und der malerischen Eleganz der alten Meister, etwa der von Diego Velasquez, vereint.
(Blanca Pons-Sorolla im Katalog zur Ausstellung)

Sorolla Katalog

Zu versuchen, etwas zu begreifen, ist unermesslich anstrengender als verwirrt zu bleiben. Bloß geben wir das häufig nicht zu. Sind wir in einem Museum, loben wir erst mal alles, was nicht Wand ist, und manchmal auch die Wand.
(Saša Stanišic in „Mo und ich für die Dauer der Reise“ in „Fallensteller“, Luchterhand 2016)

In der Sorolla-Ausstellung sind wir zum Glück nicht auf uns allein gestellt. Bis zum Schluss haben wir es nicht glauben wollen, aber Frau Thiel war wirklich nur für uns da (Vielen Dank noch einmal an die großzügigen Spender). Ihre Führung und ihre Begeisterung für die Malerei Sorollas ist ansteckend. Natürlich haben wir den Katalog gekauft, um die vielen Hinweise zu Sorollas Maltechnik (Sorollismo) in Ruhe nachvollziehen zu können.
Ich habe es befürchtet, eine Kunstreise heckt die nächste. In Madrid gibt es das „Museo Sorolla“ und in New York „The Hispanic Sciety of America“ mit Sorolla satt.
Kein Museum in Deutschland besitzt einen Sorolla, dabei bewies Hugo von Tschudi durchaus Gespür, als er schon 1896 und dann noch 1902 jeweils ein Sorolla-Gemälde für die Nationalgalerie in Berlin erwarb. Diese Werke wurden aber schon 1929 von Ludwig Justi wieder verkauft, um Mittel für den Ankauf eines van Gogh zu erhalten. Hätte man damals diesen Verkauf nicht zugelassen, würden heute in jedem deutschen Wartezimmer Sorollas statt van Goghs hängen. Unsere persönliche Fachfrau weist uns auf eine Besonderheit in der Malweise von Sorolla hin. Kurz bevor er ein Werk vollendete, ging Sorolla ein, zwei Schritte zurück, überlegte kurz, sättigte den Pinsel noch einmal, für dieses Bild zum letzten Mal mit leuchtender Farbe und fügte dann blitzschnell noch vier, fünf Punkte oder einige kurze Striche hinzu.

Sorolla Ende eines Arbeitstages 1900

Ach, und dann sind da noch die Ohren des Fischers am „Ende eines Arbeitstages“, die schönsten, in kräftigem Rot leuchtenden Ohren der Kunstgeschichte.

Auch das „Ende eines Arbeitstages. Jávea“ sehen wir wohl durch eine touristische Brille, wenn im Hintergrund der beiden Fischer, die ihre Jolle an Land ziehen, die Steilküste im Abendlicht glüht und das Meer nur so im Auge prickelt vor saftigen Blau- und Gelbtönen.
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