Posts Tagged ‘Spaziergang durch die Wohnung’

Immer am Bücherregal entlang (13)

Donnerstag, August 13th, 2020

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Mit den Kartografien von Nanne Meyer (Meyers Handatlas) kann man sich nicht verlaufen.

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Immer am Bücherregal entlang (12)

Sonntag, Juni 21st, 2020

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Helga Schubert über „Malgründe“ von Johannes Helm, 1978

Aktuelle Meldung:
Bachmannpreis 2020 für Helga Schubert für den Text Vom Aufstehen

Immer am Bücherregal entlang (11)

Donnerstag, Mai 21st, 2020

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Ein graphischer Zyklus von Wieland Förster in Franz Fühmanns „Kirke und Odysseus“

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Wer sie nicht kennt, darf den Titel des Briefwechsels Fühmann-Förster auch auf sich beziehen: „Nun lesen Sie mal schön!“ Eine erste Auswahl von Fühmann-Briefen erschien 1994 bei Hinstorff, die Korrespondenz mit Christa Wolf 1995 bei Aufbau, und die mit Grieshaber und Margarete Hannsmann bei Hinstorff 2000. Für sein Werk- und Kunstverständnis ist diejenige mit dem acht Jahre jüngeren Bildhauer Wieland Förster am aufschlussreichsten. Ihr Herausgeber, der Berliner Germanist Roland Berbig, berichtet von den regelmäßigen Silvestertreffen der beiden, bei denen im Atelier des Künstlers eine Bilanz gezogen wurde, die nicht öffentlich ausgesprochen werden konnte. Dazu gehörten nicht nur Fühmanns Alkohol- und Eheprobleme oder das für beide werkrelevante Thema Erotik und Sexualität, sondern auch, so Fühmann an Silvester 1978, „unser alter Disput“, ob man sich „systemimmanent“ verhalten solle oder aktiv oppositionell.

Immer am Bücherregal entlang (10)

Mittwoch, Mai 20th, 2020

Franz Fühmann in meinem Bücherregal:

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Illustrationen von Clemens Gröszer in DIE SCHATTEN von Franz Fühmann

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Immer am Bücherregal entlang (9)

Mittwoch, April 29th, 2020

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Ein Horlbeck-Buch

Die Überschrift entspricht nicht vollständig den Tatsachen, denn genaugenommen handelt es sich um eine Auswahl aus der Lyrik von Christian Morgenstern, die der Leipziger Reclam Verlag unter dem Titel „Neue Bildungen, der Natur vorgeschlagen“ vor kurzem (im Titel steht 1978) herausgegeben hat. Das buchkünstlerisch Besondere dieses schönen Bandes (Gestaltung Walter Schiller), den Heinz Czechowski (mit einem Nachwort von Diether Schmidt) verantwortet, sind die ganzseitigen, drucktechnisch vorzüglich gelungenen Reproduktionen nach 12 Zeichnungen und 9 Radierungen des Leipziger Graphikers Günter Horlbeck. Der Künstler, zugehörig dem Jahrgang 1927 und Inhaber einer Professur an der Dresdener Kunsthochschule, demonstriert in den Arbeiten, parallel zu Morgenstern, die Fabulierlust und das Spielerische seiner Linienkunst.
Horlbeck zeichnet kristallinische Traumlandschaften aus frei schwebenden Linien. Bei allem ästhetischen Raffinement, das in dieser Kunst lebt; wirken sie einfach, spontan hingeschrieben und zugleich diszipliniert. Die Blätter haben eine merkwürdige Verwandtschaft zu Zeichnungen des Federico García Lorca, die aber Horlbeck kaum bekannt sein dürften.
Es gibt nicht sehr viele belangvolle graphische Antworten auf die Lyrik Morgensterns, vieles ist – gründlich mißverstanden – ins bloß Spaßige, ins Nachäffen gerutscht. Horlbeck reagiert mit einer eigenen Bildwelt, die nicht als Illustration aufgenommen werden darf, sondern wie eine freie Interpretation gelesen sein will
(Lothar Lang in der Weltbühne 26/1979)

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Immer am Bücherregal entlang (8)

Sonntag, April 26th, 2020

Das hat Berlin in den Sand gesetzt:
Hamburger Bahnhof verliert Christian Flick Collection

Fast nichts

Fast nichts fand 2005/2006 statt:

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Kunstspaziergänge durch die Wohnung (11)

Sonntag, April 19th, 2020

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Wolfsmutter (Stephanie Krumbholz, 2007)

Immer am Bücherregal entlang (7)

Freitag, April 17th, 2020

In Tucholskys Pyrenäenbuch lese ich zum Cirque de Gavarnie:

Ein Wagen nach dem andern befördert die Menschenpakete an den Cirque de Gavarnie. Die Straße lärmt und rattert den ganzen Tag, die Restaurants sind überfüllt, es gibt dumme Andenken zu kaufen, und das Ganze erinnert ein bißchen an die Sächsische Schweiz. Die Leute auch: geschwätziges, naturkneipendes Kleinbürgertum.
In Gavarnie hört die Straße auf, da macht der Weg eine Biegung, und nun liegt der Stolz der Pyrenäen vor seinem Publikum. Die Felswände stehen im gigantischen Halbkreis, oben liegt etwas Schnee, und das Ganze ist schön anzusehen. Aber nicht mehr – und warum so ein Geschrei daraus gemacht wird, weiß ich nicht. Wenn man näher tritt – das dauert eine Stunde, wie täuschen doch die Entfernungen im Gebirge und auf der See! —, dann wird der Zirkus nicht etwa großartiger: man hat da zwar einen hohen Wasserfall, aber weil die Vergleichsmaßstäbe fehlen, überwältigt er nicht. Brav und mit vorgeschriebner Begeisterung wandeln die Lourdes-Sachsen die klassische Strecke.
Ein Gutes aber hat Gavarnie doch gehabt. Ein französischer Zeichner schöpfte sich hier sein Pseudonym: Gavarni, Daumiers Zeitgenosse, Hunderte amüsanter Mode- und Theaterzeichnungen sind noch von ihm erhalten. Er schrieb sich ohne e – bei mir hatten Gavarnie und Gavarni bisher immer in zwei verschiednen Schubladen gelegen, so wie ja kein vernünftiger Mensch bei Goethes Faust an eine geballte Hand denkt.

Hippolyte Sulpice Guillaume Chevalier, genannt Paul Gavarni, ist der Freund der Brüder Edmond und Jules de Goncourt. In ihrem „Journal. Erinnerungen aus dem literarischen Leben“ wissen die Brüder viel über Gavarni zu berichten. Sie haben auch eine Biografie „Gavarni. Der Mensch und das Werk“ in zwei Bänden geschrieben.

Hier einige Bilder vom Cirque de Gavarnie (Pyrenäen-Studiosus-Wanderurlaub, 2004):

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Immer am Bücherregal entlang (6)

Donnerstag, April 16th, 2020

„Vorstehendes sind Auszüge aus einem seltsamen Buche …, das Du Dir unbedingt verschaffen mußt“, schrieb Goethe am 8. März 1818 an Zelter.

Goethe meint Stendhals Italienreisebericht „Rom, Neapel und Florenz“. Darin schreibt Stendhal auch über seine Erlebnisse in Mailand. In Mailand verbrachten Gabi und ich einige Tage zum Jahreswechsel 2019/2020, hier unsere Notizen in den „Neuen Kunstspaziergängen“. Damals wussten wir noch nicht, dass es unsere letzte Auslandsreise für längere Zeit werden sollte.

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In ganz Europa ist Mailand die Stadt mit den bequemsten Straßen und den schönsten Innenhöfen.

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Die Architektur scheint mir in Italien lebendiger als die Malerei oder die Bildhauerei. Mag ein Mailänder Bankier auch fünfzig Jahre seines Lebens eizig sein – schließlich wird er sich doch ein Haus bauen, dessen Fassade hunderttausend Francs mehr kostet als eine einfache Mauer. Der heimliche Ehrgeiz eines jeden Mailänder Bürgers ist es, ein Haus zu bauen oder zumindest die Fassade des vom Vater ererbten Hauses zu erneuern.

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Mein Entschluss war gefaßt: ich sehe mir berühmte Denkmäler unbedingt ganz allein an. Mögen sich die ciceroni aller Klassen ihr Geschwätz für den abgestumpften Geschmack der deutschen Reisenden aufheben.

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Im Jahre 1179 begannen die Mailänder einen schiffbaren Kanal zu bauen, der auf der einen Seite bis zum Ticino und auf der anderen bis zur Adda reicht und so ihre Stadt mit dem Lago Maggiore und dem Comer See verbindet. Der Kanal zieht sich durch die Stadt wie in Paris der Boulevard von der Bastille zur Madeleine.

Immer am Bücherregal entlang (5)

Dienstag, April 14th, 2020

CFCBücher

Stadtguerillero
Carlfriedrich Claus (Stadtguerillero, 1971)

ich suche ja in der Struktur der Landschaft immer wieder nach etwas anderem, wenn ich einmal – wie selten! – draussen bin. Ich schlage sie da gedanklich immer auf, sozusagen; sehne mich nach der Widerspiegelung grosser Weite, gegliederter Rätselschrift der schauernden Existenz, nach der Ferne der Nähe. Und nach der geheimen Spur starker Existenzmeister der Vergangenheit in der Gegenwart. Paracelsus etwa: Aus all diesen Verquickungen, Durchbrüchen, geistigen Ausbrüchen schält sich, hinzukommend, etwas wie ein Grundriss einer künftigen Metropole. Der die dann umentfremdete (jetzt noch stark entfremdete) Landschaft, in der ich aus Zufall und Gewohnheit lebe, als Detail eingegliedert ist. […] Ich nehme eben gerade nicht das „Heimatliche“, „Traute“ in Haus, Strasse, Wald wahr, sondern viel mehr das Unheimliche, Unerlöste, das Ächzen im Gebälk; das Heimatlos-Suchende ist es, dem ich mich verbunden habe; gerade weil und obwohl ich derart „sesshaft“ erscheine, bin ich es nicht. Ich gebrauche mein Milieu, diese Negation zu meinem Wesen, als dialektisch steuerbar zum Prozess meiner Experimente.
(Carlfriedrich Claus, Tagebuchnotiz 3.8.1963)

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