Ein Horlbeck-Buch
Die Überschrift entspricht nicht vollständig den Tatsachen, denn genaugenommen handelt es sich um eine Auswahl aus der Lyrik von Christian Morgenstern, die der Leipziger Reclam Verlag unter dem Titel „Neue Bildungen, der Natur vorgeschlagen“ vor kurzem (im Titel steht 1978) herausgegeben hat. Das buchkünstlerisch Besondere dieses schönen Bandes (Gestaltung Walter Schiller), den Heinz Czechowski (mit einem Nachwort von Diether Schmidt) verantwortet, sind die ganzseitigen, drucktechnisch vorzüglich gelungenen Reproduktionen nach 12 Zeichnungen und 9 Radierungen des Leipziger Graphikers Günter Horlbeck. Der Künstler, zugehörig dem Jahrgang 1927 und Inhaber einer Professur an der Dresdener Kunsthochschule, demonstriert in den Arbeiten, parallel zu Morgenstern, die Fabulierlust und das Spielerische seiner Linienkunst.
Horlbeck zeichnet kristallinische Traumlandschaften aus frei schwebenden Linien. Bei allem ästhetischen Raffinement, das in dieser Kunst lebt; wirken sie einfach, spontan hingeschrieben und zugleich diszipliniert. Die Blätter haben eine merkwürdige Verwandtschaft zu Zeichnungen des Federico García Lorca, die aber Horlbeck kaum bekannt sein dürften.
Es gibt nicht sehr viele belangvolle graphische Antworten auf die Lyrik Morgensterns, vieles ist – gründlich mißverstanden – ins bloß Spaßige, ins Nachäffen gerutscht. Horlbeck reagiert mit einer eigenen Bildwelt, die nicht als Illustration aufgenommen werden darf, sondern wie eine freie Interpretation gelesen sein will
(Lothar Lang in der Weltbühne 26/1979)
Archive for the ‘Berlin’ Category
Immer am Bücherregal entlang (9)
Mittwoch, April 29th, 2020Immer am Bücherregal entlang (1)
Samstag, April 4th, 2020Ich hatte ein paar Tage in Oslo verbracht und war an einem regnerischen Tag vom Bahnhof über einige arabisch anmutende Straßenzüge mit Dutzenden Frisörsalons und Läden von Zuckerbäckern, die ihre Süßigkeiten zu kleinen Moscheen auftürmten, zum Munch-Museum gegangen. …
In [einem] Ausstellungsraum hing unter dem Gemälde, das Munch vom mürrischen Henrik Ibsen gemalt hatte, das Porträt eines Mannes mit ungesunder bleicher Gesichtsfarbe, farblosen braunen Haaren, einem ebensolchen Vollbart, verschreckt aufgerissenen Augen und einer an der Unterlippe klebenden Zigarette …, und aus dem Titel erfuhr ich zu meiner Überraschung, dass es sich um den polnischen Schriftsteller Stanislaw Przybyszewski handelte.
(Karl-Markus Gauß, Abenteuerliche Reise durch mein Zimmer, Zsolnay, 2019)
Tête-à-Tête
Sonntag, Februar 23rd, 2020Tête-à-Tête – Köpfe aus der Kunstsammlung der Berliner Volksbank
Berliner Köpfe in den Kunstspaziergängen: hier, hier und hier
Die Gründungsväter des Großen Schauspielhauses
Sonntag, Januar 19th, 2020Das Denkzeichen für die Gründungsväter des Friedrichstadt-Palastes ist ein 2015 enthülltes Denkmal und steht an der Friedrichstraße 107 im Berliner Ortsteil Mitte.
Der schlicht gestaltete aus Gussbeton geformte Block ist das Ergebnis eines Künstlerwettbewerbs, den das Berliner Duo stoebo – Oliver Störmer & Cisca Bogman – gewonnen hatte. Der Gedenkblock zeigt als Auffälligkeit auf zwei Seiten einen symbolhaften eingeschnittenen Scheinwerferkegel. Die imaginäre Lichtprojektion wird auf der Straße in ovaler Fläche fortgesetzt, die Glitzereffekte aufweist. Das Denkzeichen symbolisiert somit den imaginären Lichtstrahl eines Theaterscheinwerfers und verweist auf das Fehlen der Geehrten.
(mehr hier)
Hochhaus an der Weberwiese
Donnerstag, Januar 9th, 2020Das Hochhaus an der Weberwiese ist ein 35 Meter hohes neungeschossiges Gebäude.
Das Haus wurde in einem heute kaum faßbaren Maße zu einer Ikone. Jubel allenthalben. „Ein weißes Haus, und nachher die anderen Häuser – wie Schwäne mitten in den Ruinenfeldern.“ Bert Brecht schrieb dem befreundeten Architekten Henselmann einen Vierzeiler.
(Wolfgang Pehnt, Deutsche Architektur seit 1900, S. 293)
Köpfe sterbender Krieger im Zeughaus-Innenhof
Donnerstag, Dezember 5th, 2019Der bedeutendste bauplastische Schmuck des Zeughauses, die 22 Köpfe Sterbender Krieger, befindet sich im Innenhof. Sie gehören zu den wenigen Teilen des Skulpturenschmucks, die fast unbeschadet die letzten drei Jahrhunderte überdauerten. Sie wurden als Schlußsteine für die Rundbogenfenster des Erdgeschosses gefertigt. Die Bozetti Schlüters sind um 1696 entstanden, die Ausführung durch die Werkstatt unter der Leitung Georg Gottfried Weyhenmeyers (*1666 Ulm – † 1715 Berlin) hat sich über einen längeren Zeitraum erstreckt.
(hier mehr zum Skulpturenschmuck am Zeughaus)
… und Senefelder kann nur zuschauen!
Montag, November 11th, 2019… denn bey Berlin ist ja ein Wald
Dienstag, Oktober 29th, 2019Im Walde nah bei einer Stadt,
Die man mir nicht genannte hat,
Ließ sich einst ein sehr rar Gefieder,
Ein junger Eremite nieder.
„In einer Stadt denkt Applicant,
Die man ihm nicht genannt?
Was muß er wohl für eine meinen?
Bey nahe sollte es mir scheinen,
Daß die, … nein die … gemeinte wär.“
Kurz Applicant denkt hin und her,
Und schließt, noch eh er mich gelesen,
Es sei gewiß Berlin gewesen.
„Berlin? Ja, Ja, das sieht man bald;
Denn bey Berlin ist ja ein Wald.“
Der Schluß ist stark, bey meiner Ehre:
Ich dachte nicht das es so deutlich wäre.
Der Wald paßt herrlich auf Berlin,
Muß man ihn gleich beim Haaren ziehen.
…
(Lessing, Der Eremit)





























