Archive for the ‘Public Art’ Category

Jeffreys Verse

Montag, November 8th, 2010

Eifersucht
Franziska Schwarzbach

Jeffreys Verse

Was für ein Glück, daß du mich hast,
Du bist wirklich zu beneiden,
Nennst mich Affenarsch und Spast,
Und lebst mit mir in Saus und Freuden.

Sagst manchmal, daß ich dich mal könne,
Ich hielt jetzt besser meinen Schabel,
Soll sehen, daß ich Land gewönne,
Und knallst den Hörer auf die Gabel.

Bist arrogant und anspruchsvoll
Und eigensinnig. Alles, wie ein Mann,
Brillant und wunderschön und toll,
sich eine Frau nur wünschen kann.

Und wenn du schreist und wenn du tobst,
Ich bleib geduldig, stets bei mir.
Doch wenn du meine Verse nicht lobst,
Dann trenne ich mich von dir.

(Jürgen Berlin)

Abschied

Sonntag, November 7th, 2010

Am 10. November wird in New York Jeff Koons „Balloon Flower“ im Auktionshaus Christie’s versteigert. Die Skulptur gehört der Daimler Art Collection und stand viele Jahre in Berlin.

Flower

Koons’s Balloon Flower is, in particular, marked by its openness, both formal and conceptual, its giddy embrace of high and low and simple pleasures. In a sense, his overblown balloon toy allows the viewer to re-experience a childlike sense of awe and wonder. The glossy shine of the sculpture operates in a way by appealing to the most regressive, instinctive, even infantile impulse of pleasure, allows us to indulge in a purely sensory satisfaction. An overtly erotic charge is also at the heart of Koons’s unabashedly sensuous Balloon Flower. Its petals form an orifice-like fulcrum from which an erect shape protrudes – although whether it is a pistil or stamen, the floral equivalent of a male or female sexual element, remains tantalizingly ambiguous. Moreover, the sculpture’s curving, swollen forms suggest a sexually aroused and inviting body. For the artist, however, eroticism also has a spiritual dimension, as he sees it as a primal life force. As he declared,“Sexuality is the principal object of art. It’s about the preservation of the species. Procreation is a priority. But this also has a spiritual aspect for me. It’s about the way that we have children“ (H. Bellet, „Jeff Koons: La Sexualité, c’est l’objet principal de l’art“, Le Monde, 30 August 2005).
(more here)

Geklauter Döblin

Mittwoch, November 3rd, 2010

Döblin-Büste

Die Rückkehr des Doktor Döblin

Im frühen Sommer dieses Jahres, wann genau weiß man nicht, ist sie abhanden gekommen, die Büste des Schriftstellers Alfred Döblin, des berühmtesten Romanciers der Stadt. 18 Jahre lang stand sie auf einem Sockel vor dem Kino Kosmos in Friedrichshain, Karl-Marx-Allee 131. Ein schmaler, jungenhafter Kopf mit auffallend großer Nase, sauber gescheitelt, das charakteristische Lächeln vom Bildhauer Siegfried Wehrmeister gut herausgearbeitet, die Brille des stark kurzsichtigen Döblin geschickt angedeutet, ohne die feinen, scharfen Gesichtszüge zu sehr zu dominieren.

Friedrich, der Sohn des Großen Kurfürsten

Sonntag, Oktober 31st, 2010

Kurfürst Friedrich III.
Kurfürst Friedrich III. (Statue von Andreas Schlüter, 1698)

„Er war groß im Kleinen und klein im Großen …“
(Friedrich der Große)

Vögelchen

Die Originalstatue des Schlüterschen Kurfürsten ist seit 1945 verschollen. Die Statue wurde 1972 als Geschenk von Gerhard Marcks nach der Form der Staatlichen Gipsformerei zu Berlin mit Hilfe von Waldemar Grzimek neu gegossen.

Suum Cuique

200 Jahre später schuf Gustav Eberlein die Denkmalgruppe König Friedrich I. (von 1688 bis 1701 Kurfürst Friedrich III.) für die Siegesallee mit den Assistenzbüsten Andreas Schlüter und Eberhard Freiherr von Danckelmann.

König Friedrich I.
rechts im Bild: König Friedrich I. (Statue von Gustav Eberlein)

Nach einem Atelierbesuch des Kaisers bei Eberlein meldete das Berliner Tageblatt am 20. Dezember 1898, dass Eberlein für die Figur des Königs „die Statue Schlüters als Vorbild benutzen konnte“. Der Künstler beeilte sich, diese Behauptung zu widerlegen und betonte die Eigenständigkeit seines Entwurfs.

Mit dem Schlüterschen Standbild, das [Friedrich] in antiker Tracht noch als Kurfürst darstellt, zeigt Eberleins Statue (tatsächlich) keine Übereinstimmung.

Helden
Schlüter als junger Mann mit offenem Haar begutachtet die Maske eines sterbenden Kriegers, links daneben von Danckelmann

Literatur:
Brandenburgs Kurfürsten, Preussens Könige (Das Taschenlexikon, Edition Rieger 2001)
Uta Lehnert Der Kaiser und die Siegesallee (Dietrich Reimer Verlag 1998)

Im Schlosspark Charlottenburg

Samstag, Oktober 30th, 2010

Denkmal 11.  März

In Bäumen und Sträuchern des großzügig angelegten Landschaftsparks tummeln sich Eichhörnchen und Vögel, Liegewiesen und Bänke laden zum Verweilen ein. In diesem äußersten Teil des sonst barock gestalteten Parks befindet sich auch eine moderne Skulptur. Den Marmor- Obelisk 1979 von Braco Dimitrijevic ziert die Inschrift „11. März“ und der Hinweis „Dieses könnte ein Tag von historischer Bedeutung sein“ hinterfragt die Denkmalkultur.
(mehr hier)

Eichhörnchen

Nachwuchs

Montag, Oktober 25th, 2010

GS-Kunstprojekt in Spandau

Ergebnis praktischer Kunsterziehung
(Streetart-Nachwuchs, Lynar-Grundschule Spandau).

Repräsentantinnen des Statuenvolkes

Samstag, Oktober 23rd, 2010

GFF1
Rolf Szymanski, GroßeFrauenfigurBerlin I

Auf den ersten Blick schien sie eine Bronzenymphe wie jede andere zu sein, eine bescheidene Repräsentantin des Statuenvolkes, das parasitengleich an den städtischen Springbrunnen steht und im Forsythienstrauch schamhaft mit dem Händchen den polierten Wulst zwischen den Schenkeln verdeckt. … Nur daß man in ihrem Gesicht … nicht den typischen Ausdruck erkennen konnte, jene leicht komplizenhafte und irgendwie herausfordernde Keuschheit, Scham gepaart mit jungfräulicher Genußfreude, nichts von der Errötung, die zum bukolischen Liebesspiel aufruft und verführt.
(aus: Mircea Cartarescu Travestie)

BFFI2
Rolf Szymanski, GroßeFrauenfigurBerlin II

Der kleine Geometer

Sonntag, Oktober 17th, 2010

Der kleine Geometer

… wies Duchamp … an, ein Geometriebuch auf dem Balkon ihrer Wohnung an Bindfäden aufzuhängen, damit der Wind „das Buch durchblättern, sich seine eigenen Probleme aussuchen, die Seiten umwenden und herausreißen“ konnte.

Reitender Leser

Duchamp erzählte … später: „Es amüsierte mich, die Idee von glücklich und unglücklich in die ready-mades einzubringen, und dann der Regen, der Wind, die flatternden Seiten, es war eine amüsante Idee“

Lesender Engel

Einem Interviewer sagte Duchamp in späteren Jahren, es habe ihm Spaß gemacht, „die Ernsthaftigkeit eines Buches voller Prinzipien“ herabzusetzen, und einem anderen deutete er an, dem Wetter ausgesetzt habe „das Traktat endlich ein bisschen was vom Ernst des Lebens begriffen.“
(Texte aus: Roberto Bolano, 2666, Carl Hanser Verlag München 2009

Gefesselter Leser

Im dritten Kreis

Freitag, Oktober 15th, 2010

Cerberus
Cerberus, Ewerdt Hilgemann, 2000

Cerberus, das erbarmungslose, grausige Scheusal, bellt
hündisch aus drei Mäulern über die Leute hin, die hier versinken.
Seine Augen sind rot, sein Bart ist fettig und schmutzig,
sein Pansen aufgedunsen, an den Händen hat er Krallen; mit
denen packt er die Seelen, reißt ihnen die Haut ab und zerstückelt sie.
(aus: Dante Alighieri, Die Göttliche Komödie, Übersetzung Hartmut Köhler)

Der Sämann ist zurück

Donnerstag, Oktober 14th, 2010

020302sämann

Die Alte Nationalgalerie in Berlin hat ein Hauptwerk des belgischen Bildhauers Constantin Meunier (1831-1905) zurück erhalten. Die bedeutende Bronzeplastik der europäischen Moderne – der „Sämann“ von 1896 – steht im vor vier Monaten wiedereröffneten Kolonnadenhof zwischen Neuem Museum und Alter Nationalgalerie auf der Museumsinsel, wie die Staatlichen Museen zu Berlin (SMB) am Mittwoch mitteilten.
(hier)