Archive for the ‘Ausstellungen’ Category

Kunstwochenende – Berliner Liste

Donnerstag, Oktober 30th, 2008

Die Berliner Liste 2008 findet im Haus Cumberland statt. Dort war bis 1993 die Oberfinanzdirektion.
Dort entdeckt: die Berlin-Bilder von Jörg Schmiedekind (galerie enpassant).

S-Bahnbrücke

Notationen

Mittwoch, Oktober 29th, 2008

Es gibt kein Argument pro oder contra.
Man fängt Feuer oder man fängt kein Feuer.
(Ezra Pound, Cantos, LXXXIX)

Notation
Kalkül und Form in den Künsten

Es ist keine Ausstellung, wie Sie jetzt immer mehr sehen. Es sind keine Franzosen, die aus New York kommen, es ist keine, bei der Sie irgendwelche Inkunabeln, die Sie schon tausend Mal gesehen haben, wiedersehen werden, sondern es ist eine Ausstellung, für die Sie sich Zeit nehmen müssen.
Wohl wahr. Als ausgewiesener Medienwissenschaftler ist Kurator Hubertus von Amelunxen stolz, etwas ganz anderes am Berliner Hanseatenweg zeigen zu können. Seine Ausstellung verlässt Glitzer und Glamour und führt schnurstracks in die Werkstatt der Moderne.
(mehr hier)

Lesenotiz

Erfrischend unhierarchisch sind 450 Bild-, Schrift- oder Tonzeugnisse von 100 Künstlern in Szene gesetzt und eingängig, poetisch, bisweilen verstörend und oft erheiternd verbunden. Die feinen Kontakte des Versammelten aus der frühen, klassischen und späten Moderne machen sichtbar und hörbar, wie doch alles irgendwie mit allem zusammenhängt. Und wie sehr, wenn man so will, Kunst aus Kunst kommt.
(Ingeborg Ruthe in der Berliner Zeitung, mehr hier)

Lothar Böhme in der Galerie Pankow

Sonntag, Oktober 26th, 2008

Galerie
Galerie Pankow

Lothar Böhme, geboren 1938, gehört zum Kern der so genannten Berliner Schule, wie sie zwischen Anfang der 70er und Ende der 80er Jahre existierte. Er erhielt 1992 den Kollwitz-Preis der Akademie der Künste in Berlin, 1994 den Fred-Thieler-Preis für Malerei der Berlinischen Galerie sowie im Jahr 2006 den Gerhard- Altenbourg-Preis.

Stehender Akt
Stehender Akt, 2007, Öl auf Papier

Wer einmal beobachten konnte, wie Wachskerzen entstehen, der wird beim Betrachten der Gemälde und Zeichnungen von Lothar Böhme unwillkürlich an jenen Vorgang erinnert:
Die Kerzendochte werden wieder und wieder in die heiße Wachsflüssigkeit eingelassen und setzen nach und nach die feste Materialität des Wachses an. Ein ähnlicher Prozeß scheint sich mit den Körpern des Malers Lothar Böhme zu vollziehen, die – zunächst locker auf die Fläche gesetzt – durch die intensive Rhythmik eines unablässigen Umkreisens und eines permanenten Durchfurchens mehr und mehr zu einer zeichenhaft verdichteten Figuration gerinnen, die statuarisch schwer eine reale Begreifbarkeit abgelegt hat.
(Fritz Jacobi im Ausstellungskatalog Städt. Museum Mühlheim/Ruhr, 1997)

Ah Xian

Samstag, Oktober 25th, 2008

Gilgamesch

Von weitem grüßt eine Skulptur von Gerson Fehrenbach, gleich dahinter ist das Georg-Kolbe-Museum.

Dort findet die erste europäische Retrospektive von Ah Xian statt. Ah Xian ist 1960 in Peking geborenen und lebt seit 1989 in Sydney. Seine vorwiegend aus Porzellan gefertigten Figuren und Büsten sind von verschwenderisch-schönen Dekoren bedeckt, deren Motive aus der Kunst der Ming- und Qing-Zeit (14. bis 19. Jahrhundert) stammen.
Gleich Tätowierungen überziehen sie die Körperbilder, die von lebenden Modellen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis des Künstlers abgeformt wurden und deren Vokabular verschiedene Kulturen und Zeiten überspannt.

Ah Xian

Der Bunker in der Reinhardtstraße

Sonntag, September 28th, 2008

In der Reinhardtstraße

Bunker Berlin Der nachfolgende Text zur Geschichte des Bunkers ist von der Website der Boros-Sammlung. Der Eintritt zur Site ist SPAM-geschützt.

Der Hochbunker befindet sich an der Ecke Albrechtstraße/Reinhardtstraße in Berlin-Mitte. Er wurde im Jahre 1942 unter der Bezeichnung „Reichsbahnbunker Friedrichstraße“ erbaut. Die Planung begann 1941 unter der Leitung von Albert Speer im Rahmen des „Führer-Sofortprogrammes“ für die Schaffung ziviler Luftschutzanlagen. Der Bunker sollte den Reisenden des in der Nähe gelegenen Bahnhofs Berlin-Friedrichstraße Schutz vor alliierten Luftangriffen bieten. Die Zivilbevölkerung des umliegenden Wohngebiets und Besucher des Deutschen Theaters konnten sich hier bei Fliegeralarm ebenfalls in Sicherheit bringen. Der Schutzraum fasste bis zu 2000 Personen. Nach der Kapitulation besetzte die Rote Armee den Bunker und nutzte ihn als Gefängnis.

Ab Mitte der 1950er Jahre wurde der Bunker vom volkseigenen Obst- und Gemüsekombinat Berlin als Lager genutzt. Die dicken Wände und das raffinierte Belüftungssystem sorgten für eine nahezu konstante Innentemperatur. Daher war er für die Lagerung von Südfrüchten besonders gut geeignet. Zu DDR-Zeiten wurde er von der Bevölkerung auch „Bananenbunker“ genannt.

Nach der Wende entdeckte die Techno- und Fetisch-Szene den Bunker als Partylocation. Der „Bunker“ galt als der härteste Technoclub in Deutschland. Die dort ebenfalls veranstalteten SM- und Fetischparties waren weit über die Grenzen von Berlin bekannt. 1995 fand im Bunker die
„Sexperimenta“ statt. Seine letzte Techno-Party erlebte der Bunker im Jahre 1996.

Der Bunker besitzt eine quadratische Grundfläche mit einer Länge von circa 38 m und einer Höhe von 16 m. Im Inneren erstreckt sich der Schutzraum über fünf Etagen. An jeder der vier Längsseiten ist ein separates Treppenhaus angeordnet. Die Außenwände aus massivem Stahlbeton haben eine Dicke von 2,00 m. Die ursprüngliche Raumhöhe beträgt nur 2,30 m. Das Dach besteht aus 3,10 m dickem Stahlbeton. Beim Bau wurde so genannter „Blauer Beton“ verwendet. Dieser spezielle Beton war zur damaligen Zeit einer der widerstandsfähigsten Baustoffe, der erst nach etwa 30 Jahren voll ausgehärtet ist. Die Oberfläche wurde als unbehandelter Sichtbeton mit den Spuren der Bretterverschalung belassen. Das Gebäude steht wegen der besonderen historischen Bedeutung unter Denkmalschutz.

Hotel am Bunker
In einem bestimmten Hotelzimmer hat man kostenlosen Ausblick auf ein Elmgreen & Dragset Werk der Boros-Sammlung . Soll insbesondere auf Gäste verstörend wirken, die nicht wissen, dass im Bunker eine Kunstsammlung untergebracht ist.
(Für Temporarily Placed erhielten Elmgreen & Dragset 2002 den Preis der Nationalgalerie.)

Der streng axialsymmetrische, fünfgeschossige Block ist durch ein umlaufendes, mächtiges Konsolgesims und breite Mittelrisalite auf jeder Seite, denen eingeschossige Vorbauten mit je zwei rundbogigen Elngängen und Streifenquaderung vorgelagert sind, gegliedert. In den
Kubus sind kleine, teils paarweise angeordnete, hochrechteckige Öffnungen eingeschnitten. Die exponierte Lage auf einem Eckgrundstück mag verantwortlich für die vergleichsweise aufwendige Gestaltung dieses Bunkers gewesen sein, der sich in Größe und Gliederung an der Nachbarbebauung orientiert. Gleichzeitig kam die wehrhafte Nutzung aber auch dem herrschenden Gestaltungsideal einer „archaischen“ Architektur entgegen, die sich, im Rückgriff auf den Klassizismus der Zeit um 1800, der Reduktion auf einfache geometrische Formen und einer monumentalen Gesamtwirkung verschrieben hatte.
(aus: Bauen in Berlin 1900-2000)

Sex am Borusbunker
Streetart am Bunker (vor der Sammlungsnutzung, inzwischen entfernt)

Bunker
Streetart am Bunker

Landschaftsabfälle

Samstag, September 27th, 2008

Bilder von den Rändern der Gedankenlosigkeit
Miroslaw Balka in der Galerie Nordenhake

Rohr, gefüllt

Wenige Zentimeter vom Schaufenster entfernt steht da ein Stein, aufgespießt auf eine einen Meter hohe Stahlstange, und wird von einem 25 Zentimeter breiten, quadratischen Sockel getragen, als habe sich die Skulpturtradition seit Alberto Giacometti oben zum Baustoff und unten zum Ausstellungsdesign bereinigt. Was die Galerie in einer Verlautbarung als Aufforderung zum Steinwurf interpretiert, könnte man ebenso als Kapitulation vor der Banalität des Materials verstehen. Kein Kapitell, keine Büste, keine Konstruktion und keine anthropomorphe Form – ein dummer Stein, mit unerleuchteten Nachbarn, denn zu seiner Seite ragt ein Balkongeländer vom Haus der Familie Balka auf, in den Betonsockel gesteckt wie in ein Scharnier; der Besucher soll an ihm drehen, bis der Stahl sich kreischend am Zementgemisch reibt. Dieser Mühlstein der ästhetischen Perspektivverweigerung wird von einem Brunnen mit billigem Branntwein begleitet, der wie die anderen Arbeiten die bloße eigene Bemaßung als Titel mit sich herumträgt.
(Gerrit Gohlke hier)

Die Tropen

Samstag, September 20th, 2008

Tropen

Die Tropen
Ansichten von der Mitte der Weltkugel
(Dieser Untertitel ist ein etwas schräger Beitrag der Ausstellungsmacher zum Jahr der Mathematik:
Wo war doch gleich die Mitte einer Kugel? Bestimmt nicht in Äquatornähe.)

Bei den früheren Stationen der Schau in Brasilia und Rio de Janeiro wurden mehr als eine halbe Million Besucher gezählt. In Deutschland ist sie jetzt zum ersten Mal zu sehen – mit 280 alten und neuen Kunstwerken, Skulpturen und Fotografien aus den Regionen zwischen dem nördlichen und dem südlichen Wendekreis.

Rund 200 Arbeiten meist anonymer Künstler aus den Beständen des Berliner Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst stehen in fünf thematischen Kapiteln, etwa zu Natur, Politik, Farbenpracht oder urbanem Drama, Malerei, Fotografie, Installation und Multimedia von rund 40 Gegenwartskünstlern gegenüber. Diese stammen teilweise selbst aus tropischen Länden, teilweise setzen sie sich kritisch mit unserer Tropenerwartung auseinander. So hängen Dschungelfotos von Thomas Struth oder Candida Höfers Aufnahmen von in Zoos gehaltenen Giraffen neben Plastiken aus Westafrika, die einen noch unschuldigen Umgang eingeborener Künstler mit Natur und Gott­heiten zeigen, bevor die Tropen zur Dritten Welt verkamen. Der in Berlin lebende Peruaner Fernando Bryce zeichnet lokale Idole nach, der Kölner Marcel Odenbach oder der Peruaner David Zink Yi zeigen afrikanische und südamerikanische Realität im Video.
(Heinz Peter Schwerfel in art, hier einige Bilder aus der Ausstellung)

Peter Rogiers

Freitag, September 19th, 2008

Rogiers1

Bei Thomas Schulte ist die erste Soloschau des belgischen Bildhauers Peter Rogiers in Deutschland zu bestaunen. Die Figuren sind aus Kunststoff, mit Aluminium oder Terrakotta. Die expressiven Plastiken erscheinen wie Gäste aus dem weiten Weltenraum: Aliens. Durch amöbenhaft fließende Formen wirken sie schwerelos. Die Oberflächen erinnern an Kleckerburgen am Strand, die mal mit Händen, mal mit einem Brettchen oder einer Getränkebüchse geglättet wurden.
(hier)

Im Atelier

Donnerstag, September 18th, 2008

 Atelierbesuch bei Mark Lammert

Lammert

Wenn man einen berühmten Ahnen hat, muß man es sich gefallen lassen, an ihm gemessen zu werden.Im Falle von Mark Lammert handelt es sich um seinen Großvater, den Bildhauer Will Lammert, Nationalpreisträger der DDR, 1957 posthum geehrt und bekannt als Plastiker eines „humanistischen“ Ideals aus dem Geist des sozialistischen Antifaschismus. Mark Lammert aber wehrt ab. Er möchte nicht darüber reden, hat offenbar Bedenken, in eine östliche Ecke gedrängt zu werden.

1989 bis 1992 war er Meisterschüler an der Akademie der Künste.Ein Glücksfall: Aus seinem Atelier im alten Akademiegebäude am Pariser Platz hatte er einen Logenplatz auf die deutsche Geschichte mit dem Fall der Mauer. Es war eine bewegte Zeit, vor allem auch durch Lammerts enge Beziehung zu Heiner Müller. Mit ihm erarbeitete er Bühnenräume für die Müller-Inszenierungen „Fatzer“, „Philoktet“ und „Germania 3“ am Berliner Ensemble, die mit wenigen farbigen Flächen auskamen und das Theater als Raum neu interpretierten. Müller war damals schon sehr krank.Der Gedankenaustausch spielte sich im Medium dicker Arbeitsbücher ab, in denen Lammerts Entwürfe mit den Ideen des Dichter-Regisseurs zusammentrafen.
(mehr hier)

no time / no flower

Sonntag, September 14th, 2008

Bahnhofsuhr

Ayse Erkmen hat es erkannt, der Hamburger Bahnhof ist gar kein Bahnhof.