Mit der in diesem Jahr fertiggestellten Arbeit Olympia zielt Claerbout auf eine Dimension, die das menschliche Vorstellungsvermögen von Zeit weit übersteigt: Die Real-Time-Projektion ist auf 1.000 Jahre angelegt und entzieht sich damit radikal unserer realen Erfahrung. Ausgangspunkt ist das Berliner Olympiastadion – 1936 Austragungsort der Olympischen Spiele –, das der Künstler digital aufwändig nachgebaut hat und nun in den kommenden 1.000 Jahre zerfallen lässt. Der Bezug zum „Tausendjährigen Reich“ – ein Begriff, der vor allem durch die Nationalsozialisten adaptiert wurde – und zu den kruden Ideen des Architekten Albert Speer ist gegeben. Dieser forderte in seiner sogenannten Theorie des Ruinenwerts, dass sich Architektur daran orientieren sollte, wie sie in 1.000 Jahren wirkt – sein explizites Vorbild war das Kolosseum in Rom.
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Archive for the ‘Ausstellungen’ Category
Olympia im Kesselhaus
Dienstag, November 15th, 2016Eberhard Havekost
Samstag, November 12th, 2016Im Maschinenhaus, M1 und M2, des KINDL Zentrums für zeitgenössische Kunst findet die Eberhard Havekost Ausstellung Inhalt statt.
Die Ausstellung Inhalt konzentriert sich auf Eberhard Havekosts Werk der vergangenen zehn Jahre und legt dabei einen Schwerpunkt auf neue Werkgruppen, die im KINDL erstmals gezeigt werden. Nach wichtigen Einzelausstellungen unter anderem im Museum Küppersmühle Duisburg (2013), der Schirn Kunsthalle Frankfurt (2010) und dem Stedelijk Museum Amsterdam (2006) ist Inhalt die erste institutionelle Ausstellung von Eberhard Havekost in Berlin.
Surreale Sachlichkeit
Freitag, November 11th, 2016„Surreale Sachlichkeit“ gibt es nicht – oder doch? Ausgehend von den Werken der Nationalgalerie, die über einen reichen Bestand aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen verfügt, wirft die Ausstellung einen neuen, durch den Surrealismus geschärften Blick auf das Phänomen der Neuen Sachlichkeit.
Auf den ersten Blick wirken die Bilder der neusachlichen Malerei pedantisch aufgeräumt. Doch der tiefere Blick, den die Sammlung Scharf-Gerstenberg erstmals wagt, zeigt: Dahinter liegt etwas Bedrohliches.
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CAFE PITTORESQUE
Donnerstag, November 10th, 2016Der Titel der Ausstellung bei CFA Berlin verweist auf das Künstlercafé und Gesamtkunstwerk „Café Pittoresque“, das 1917 in Moskau von Wladimir Tatlin und Alexander Rodchenko initiiert und gestaltet wurde und Treffpunkt der Revolutionäre und Futuristen um Wladimir Majakowski war.

Albert Oehlen, Rodchenko I + II
Ausgehend von einer Diskussion über das Werk „Rodchenko I, Rodchenko II“ von Albert Oehlen (1982) – nun zentrales Werk der Präsentation – entstand in Zusammenarbeit mit Wilhelm Schürmann die Idee einer Ausstellung anlässlich der sich im kommenden Jahr zum 100. Mal jährenden russischen Revolution von 1917.
Die mit dieser Revolution einhergehenden radikalen künstlerischen Neuerungen sind bis zum heutigen Tage relevant. Konstruktivismus, Suprematismus und Agitprop sind in viele zeitgenössische Kunstwerke formal eingeschrieben. Die Utopien und Ideale der russischen Revolution und ihre künstlerischen Errungenschaften jedoch waren durch die Historie des vergangenen Jahrhunderts heftigen Reibungsverlusten ausgesetzt und halten einem „postidealistischen“ Blick nicht mehr stand. Dies äußert sich in den ausgestellten zeitgenössischen Werken auf unterschiedlichste Art, auch wenn die Auseinandersetzung mit der russischen Avantgarde nicht expliziter Antrieb der Künstler gewesen sein mag.
(aus der CFA Pressemitteilung zur Ausstellung)

Georg Herold, Klients of trouble
Hannah Perry
Mittwoch, November 9th, 2016Kommunale Galerien in Berlin (7)
Dienstag, November 8th, 2016Heute: Studio im Hochhaus
Aktuell (Achtung, nur noch bis zum 9. November!) findet dort eine kleine Timm-Ulrichs-Ausstellung statt.

Filmstill aus: „in worte gekleidet – in schweigen gehüllt“
Timm Ulrichs, 1980/2013
Das Studio im Hochhaus befindet sich in der Zinster Str. 25, ganz weit draußen also, aber nur ein kurzer Weg vom S-Bahnhof Hohenschönhausen.
Hier einige Bilder meines gestrigen kleinen Rundgangs in Hohenschönhausen. An den Berliner Rändern ist allerhand Interessantes zu finden. Demnächst finden Performances im Hochhaus statt.
KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst
Montag, November 7th, 2016Im Jahr 2011 erwarb das deutsch-schweizerische Ehepaar Burkhard Varnholt und Salome Grisard das Gebäude-Ensemble der ehemaligen Kindl-Brauerei mit dem Ziel, es für die zeitgenössische Kulturproduktion nutzbar zu machen. Der denkmalgeschützte Klinkerbau wurde zwischen 1926 und 1930 in Anlehnung an den deutschen Expressionismus in rotem Backstein errichtet. Es umfasst neben einem sieben-geschossigen Turm ein 20 Meter hohes Kesselhaus, ein drei-geschossiges Maschinenhaus und ein mit sechs kupfernen Pfannen ausgestattetes Sudhaus. Seit Herbst 2012 ist mit der aufwändigen Sanierung des Gebäudes begonnen worden. Diese beinhaltet auch die Neuerschließung der Ostfassade, die als zukünftiger Eingangsbereich fungieren wird. Als gleichermaßen historisch-sensible wie architektonisch vorausweisende Setzung entsteht hier eine neue Situation mit Foyer, Außentreppe und Sheddach.
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Linear Momentum
Sonntag, November 6th, 2016Eine für Kunstspaziergänger anregende Ausstellung findet gegenwärtig (seit gestern bis zum 22.01.17) in der Galerie im Körnerpark statt.
Für sein laufendes Projekt The Drawing of Our Lives hat plan b (Daniel Belasco Rogers und Sophia New) seit 2003 bzw. 2007 jeden Gang aus dem Haus mit einem GPS-Gerät aufgezeichnet. Die digitalen Daten interpretiert das Duo in analogen Materialien, im Fall von All Our Traces in Berlin 2011 mithilfe von Lasergravur. So werden eine ausgewählte Zeitspanne und ein oder mehrere Orte in eine Zeichnung übersetzt und es entsteht eine sehr individuelle
Kartografie.
In meinem Flickr-Album Spaziergänge kann man einige meiner Spaziergänge nachvollziehen, z. B. den Spaziergang vom 28. Juli 2016 in Potsdam.
Drawing Machine II ist eine von Belasco Rogers gebaute analoge Zeichenmaschine, die er an seinen Körper binden kann und die alle Bewegungen auf Papier festhält. Während in den GPS-basierten Zeichnungen insbesondere die notwenigen Routen des Alltags in den Vordergrund treten, so zeichnet der Künstler hier ein neo-situationistisches Dérive, ein zielloses Umherschweifen auf, das zu einem völlig abstrakten Ergebnis führt.
Space Refugee
Freitag, November 4th, 2016Halil Altindere entwickelte für den Neuen Berliner Kunstverein das Space Refugee-Projekt, das angesichts der Abwehr von MigrantInnen in Europa mit ironischer Distanz den Weltraum als Zufluchtsort für Geflüchtete vorschlägt. Einer der zentralen Bestandteile der Ausstellung ist ein Film über den ehemaligen syrischen Kosmonauten Muhammed Ahmed Faris, der 1987 mit dem sowjetischen Raumschiff Sojus TM-3 für einen siebentägigen Aufenthalt zur Raumstation Mir flog. Heute lebt der ehemalige Held der Sowjetunion und Anhänger der demokratischen Oppositionsbewegung gegen Assad als Geflüchteter in Istanbul.
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Aus dem Tagebuch des Kunstspaziergängers (4.11.16)
In der S-Bahn: Der junge Mann ist stark erkältet. Als er den Schnodderfluss nicht mehr durch lautstarkes Hochziehen bewältigen kann, öffnet er seine Sporttasche und holt eine ganze Rolle Klopapier heraus. Vier Abschnitte ergeben ein solides Taschentuch.
In der Vorlesung bei Prof. N sind 16 Leute. Mein Wortschatz wird heute um das Wort „Konkatenation“ für die Verknüpfung von Numeralen erweitert. Also, man kann zwei Numerale konkatenieren. Das Ergebnis, das sogenannte Konkatinat, ist wieder ein Numeral und darf nicht mit einem Konkubinat verwechselt werden.
Wer kennt Muhammed Ahmed Faris? Das ist der syrische Kosmonaut, der 1987 mit dem sowjetischen Raumschiff Sojus TM-3 für sieben Tage zur Raumstation Mir flog. Heute lebt der Held der Sowjetunion als Flüchtling in Istanbul. Halil Altindere stellt im Neuen Berliner Kunstverein sein Space-Refugee-Project vor. Ein wichtiger Teil der Ausstellung ist ein Film über Ahmed Faris.



















