Archive for the ‘JWD’ Category

Breslauer Spaziergänge (6)

Montag, April 11th, 2016

Der jüdische Friedhof mit mehr als 15000 Grabsteinen ist heute ein Museum der Grabmalkunst. Das Grab von Ferdinand Lassalle haben wir gesehen und das von Friederike Kempner, der schlesischen Nachtigall.

Breslau188

Heilige Stimmung inmitten all der Gräber an diesem warmen Vorfrühlingstag. Tiefe Stille, nur Vogelgezwitscher in den alten Bäumen. Ein Zitronenfalter flog über das Grab hin. Ein Käfer schob sich auf dem verwitterten Leichenstein vorwärts. Lange stand ich sinnend.
(Paul Mühsam zum Besuch am Grab seiner Großmutter Charlotte Mühsam, 1924)

Breslau186
Heinrich Graetz

Breslau187
Ferdinand Julius Cohn

Breslau183

Breslauer Spaziergänge (5)

Sonntag, April 10th, 2016

Breslau144

Wir wollen heute noch einmal hoch hinaus. Der Sky Tower ist 212 m hoch. Man sagt uns am Ticket-Schalter, dass erst in zwei Stunden wieder Fahrstuhlplätze frei wären. Wir hätten es wissen müssen, dass man versuchen wird, in unsere Reiseplanung einzugreifen, denn am Eingang zum Tower steht die Dali-Skulptur einer zerfließenden Uhr. Unsere verbleibende Breslau-Zeit ist zu schade, um zwei Stunden in einem Shoppingcenter am Fuße des Towers zu verbringen. Heute ist Sonntag und trotzdem sind die Geschäfte des Centers geöffnet.

Breslau145

Breslau142

Breslau143

Am späten Nachmittag genießen wir den Altstadt-Blick von der 72 m hohen Büßerbrücke. Diese Brücke verbindet die Türme der Maria-Magdalena-Kathedrale. Wir sehen sogar das Haus, in dem sich unser Apartment befindet.

Breslau147

Breslau149

Spaziergänge in Breslau (4)

Freitag, April 8th, 2016

Breslau103

Gestern haben wir für heute ein Gasthaus für unsere Mittagspause herausgesucht. Wir wollen im Steinhaus essen. Das Restaurant trägt den Namen eines polnischen Mathematikers und Gourmets – Hugo Steinhaus (1887 – 1972). Wir rütteln umsonst an der Steinhausklinke. Es ist seit dem 1. Februar geschlossen, gerade im Kulturhauptstadtjahr. Dort soll es ausgezeichnete Piroggen mit Lamm-Farce gegeben haben. Apropos, wir haben doch vorhin ein Piroggenspezialrestaurant gesehen: Pierogarnia Stary Mlyn Wroclaw. Dort hat es uns geschmeckt. Vor den Piroggen gibt es für Gabi noch einen Borschtsch und für mich eine Tomatensuppe. Der Borschtsch ist eine klare Brühe, er sieht wie Rotwein aus und schmeckt wunderbar würzig.

Breslau002

Und dann noch: Ausstellung Fotosynteza von Marek J. Karas.

Breslau003

Breslau123

Breslau116

Spaziergänge in Breslau (3)

Donnerstag, April 7th, 2016

Suchbild Jahrhunderthalle
Auf dem Weg zur Jahrhunderthalle

In der Jahrhunderthalle fand 1948 der „Internationale Kongress der Intellektuellen zur Verteidigung des Friedens“ statt. Picasso zeichnete hier angesichts des zerstörten Breslaus seine Friedenstaube. Der Kongress war stalinistisch ausgerichtet, ein Gedankenaustausch jenseits des politischen Blockdenkens fand nicht statt.

Picasso: man kennt sein Gesicht von Bildern, aus der Nähe wirkt er älter, ein Greis mit stechend hellen Augen, halb übermütig, halb weise, das Gesicht eines genialen Harlekins.
(Max Frisch, Tagebuch 27.08.1948)

Breslau082

Spaziergänge in Breslau (2)

Mittwoch, April 6th, 2016

Breslau060

Im Sommer 2001 tauchten die ersten Klein-Wroclawer als verrücktes Projekt einiger Absolventen der Hochschule der Schönen Künste in der Stadt auf. Das brachte die städtischen Werbestrategen – schon lange auf der Suche nach etwas Unverwechselbarem und Identität stiftendem – auf die Idee, noch mehr dieser Skulpturen aufzustellen. 2004 wurde der Künstler Tomasz Moczek mit der Fertigung von zwölf Zwergen beauftragt, seitdem wächst ihre Zahl unaufhörlich.
(mehr hier)

Breslau061

Breslau068

Wroclawer Zwerge

Spaziergänge in Breslau (1)

Dienstag, April 5th, 2016

Melancholische Sau

Es werden unglaublich viel Verse in Breslau gemacht. … Namentlich blühen die Scharaden und erfreuen sich enthusiastischer Teilnahme, und der Mond hat sehr großen Anhang. Er scheint aber auch schön in Breslau zwischen die himmelhohen Häuser hinein, auf die breiten Wasserspiegel und die verschwiegenen Gebüsche um die Stadt herum. [Man] versicherte mir immer, der Breslauer Mond sei von ganz besonderer Qualität, bei weitem nicht so abgenützt wie an anderen Orten.
(Heinrich Laube, Reisenovellen, 1831)

Hieronymus Bosch gucken in Lissabon

Mittwoch, Februar 3rd, 2016

Lisboa 041

Ich beschloss, von der spanischen Insel, auf der ich wohne, zunächst nach Lissabon zu fliegen, um «Die Versuchungen des heiligen Antonius» zu sehen.

Lisbon 191

Jeder kennt diese Situation, zumal bei grossen Ausstellungen, das höfliche Sich-Nähern, das Sich-von-der-Seite-Heranpirschen, das geduldige Warten darauf, dass die anderen endlich weggehen, doch hier war es extrem. Ich spähte zwischen den beiden Köpfen hindurch auf den lesenden Priester mit der Tonsur und dem Schweinekopf, auf das tanzende Haupt mit Turban, aber ohne Rumpf, auf das Spukwesen mit dem verlängerten Schnabelmund in Form einer Trompete und auf die Schnee-Eule auf dem Mann mit dem Menschenkopf und dem Schweinemaul, der eine Art Laute unter den rechten Arm geklemmt hält, auf das fast stehende Wasser, das unter dem Bogen einer sorgfältig gemalten Brücke verschwindet, wodurch man weiss, dass sich die gesamte Szene oberhalb des Wassers abspielt, auf alle diese Wunderwesen und den Heiligen im Mittelpunkt, der uns ansieht, seine linke Hand jedoch mit einer anscheinend leeren Schale in die Richtung von Christus ausstreckt, der in der Ferne neben seiner eigenen Kreuzigung steht, und fragte mich zum soundsovielten Mal, wer Hieronymus Bosch nun eigentlich gewesen war.
(cess Neoteboom in der NZZ)

Jahreswechsel in Apulien (7)

Samstag, Januar 23rd, 2016

Apulien011

Es ist eine rechte Wonne, diese apulische Wildnis … und den ätherreinen Himmel strahlen zu sehen. Es sind wirklich Flammenpfeile, die Helios hier versendet; aber sie beschädigen nicht, wenigstens noch nicht im Mai. Das Licht dieses Himmels berauscht die Seele wie Trank perlenden Weins: man schlürft und atmet es gierig ein; es zehrt die Nebel im Gemüt auf, jene giftigen Dünste, welche in den Nordlandmenschen grundlose Stimmungen erzeugen, Qualen der Einbildung, den Spleen und den Weltschmerz und den verzweifelten Humor.
(Ferdinand Gregorovius)

Apulien001
Streetart in Bari

Apulien, im Mai kommen wir wieder!

Jahreswechsel in Apulien (6)

Mittwoch, Januar 20th, 2016

Apulien165

Ceroli-Pferd in Bari

Jahreswechsel in Apulien (5)

Dienstag, Januar 19th, 2016

Apulien190

Der heilige Nikolaus wurde zwangsweise als Schutzpatron der Stadt Bari verpflichtet. Die Gebeine des Heiligen wurden 1097 im türkischen Myra von barisischen Matrosen geraubt und in ihre Heimatstadt gebracht, die bis dahin keinen eigenen Schutzpatron gehabt hatte.

Apulien182

Apulien184

In der Altstadt gibt es die wunderschöne, mittelalterliche Basilika San Nicola, eines der schönsten romanischen Bauwerke Europas (und damit der Welt), die – wie die Reiseführer schreiben – allein schon eine Reise wert ist. Aber der heilige Nikolaus ist vor allem bei den Orthodoxen sehr beliebt. Paolo Rumiz schreibt, dass alle Russen Bari sofort auf der Landkarte finden, und zwar wegen dem heiligen Nikolaus.
(Gianrico Carofiglio in „Eine Nacht in Bari“)

Apulien297

Apulien298

Portale und Kapitelle der Basilika San Nicola in Bari

Apulien187

Apulien188