Carl Andre in der Konrad Fischer Galerie Berlin
und im Hamburger Bahnhof
Das 2010 entstandene monumental gedachte Werk Endnote pink (inflatable) des Londoner Künstlers lan Kiaer ist aus einer sehr großen durchsichtigen Polyäthylenfolie hergestellt, deren blasenartige Form von einem Ventilator aufgeblasen wird und die unbehaglich und zu groß ausfallend in den Raum ragt.
Ground Coil (2011) ist ein ephemeres Arrangement, in dem Kartonstreifen aneinander gefügt werden um eine Spirale zu bilden, die sich vom Zentrum des Galerieraumes aus oder zu ihm hin bewegt. Mit einer einfachen Geste und minderwertigen Materialien transformiert die Arbeit den Raum. Sie diskutiert und zeigt eine Dysfunktion von einigen inkohärenten geometrischen Elementen auf: Spirale, Quadrat und Gerade. Die geraden Kartonstreifen müssen an mehreren Stellen geknickt werden, um in diesem Prozess zu einer Spirale zu werden. Die Transformation der geradlinigen Streifen in eine Kreisform erzeugt eine gewisse Spannung, da die runde Form der Spirale nie perfekt sein wird. Je weiter letztlich die Spirale wird, umso lockerer und weniger kreisförmig wird sie, die Streifen haben weniger Knicke und die runde Spirale wird (un)natürlicherweise quadratischer; als versuche sie sich dem rechteckigen Raum, der sie birgt, anzupassen. Der Betrachter ist gezwungen, sich an der Wand entlangzuschieben und sich physisch mit dem Hindernis auseinanderzusetzen. Die Galerie wird zur Landschaft -verdichtet und aktiviert durch die Anwesenheit des Parasiten der sie bewohnt.
(Vlatka Horvat in der Galerie Zak/Branicka)
Fassadenprojekt Augenblicke
Köln grüßt Berlin mit 62 Porträt-Ausschnitten berühmter Gemälde aus dem Wallraf-Museum.
Forever young
Vertraue auf dein Bauchgefühl,
Schätz den Verstand nicht so hoch ein.
Denk niemals, das sei infantil,
gar egozentrisch, kann nicht sein.
Sei Pilger auf den Jacobswegen,
Flieg durch die Luft wie Peter Pan,
Versuch die Alchemie zu pflegen,
Bleib offen und mach keinen Plan,
Folg Träumen, fremd und unbekannt,
Sei die Alice im Wunderland.Wenn Schatten dies in Frage stellt,
Verscheuche die Erinnerung,
Bleib dort, wo du dich hingesellt,
Werd niemals alt, bleib ewig jung.(Jürgen Berlin)
10 Jahre Jüdisches Museum: 30 Künstler blicken auf Deutschland.
„Hei|mat|kun|de“ bezeichnet laut Duden die Geschichte, Geografie und Biologie einer engeren Nachbarschaft. Heimat ist ein emotionaler Begriff, der sehr vieles bedeuten kann: Geburtsort, Herkunftsland, Nation, Sprache, Religion. Ein bekannter Landstrich, Familie und Freunde, zu wissen, wo die Bäckerei, der Augenarzt, das Lieblingskino sind, das alles trägt zu dem Gefühl bei, das Hannah Arendt anlässlich eines Besuches im Berlin der ersten Nachkriegsjahre in das Bild von ihren Füßen fasste, die alleine wüssten, wohin sie gehen. Vertrautheit, unumstrittene Zugehörigkeit, aber auch das Recht zu jammern und zu klagen sind die Komponenten, die das »zu Hause« definieren.
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Der Hamburger Bahnhof widmet sich in einer mehrteiligen Ausstellungsreihe unter dem Titel secret universe in monografischen Projekten Künstlern, die innerhalb des etablierten Kunstdiskurses weitgehend unberücksichtigt bleiben.
Die zweite Ausstellung dieser Reihe zeigt Arbeiten des amerikanischen Künstlers und Architekten Paul Laffoley (*1940). Laffoley beschäftigt sich seit Mitte der 1960er Jahre gleichermaßen mit naturwissenschaftlichen, philosophischen und spirituellen Fragestellungen. Er hat Kunstgeschichte, Geschichte, Philosophie und Architektur studiert und über 38 Jahre lang in einem Ein-Raum-Appartement in Boston gelebt, das er „Boston Visionary Cell“ nannte. Seine Zusammenarbeit mit dem visionären Architekten Frederick Kiesler, sowie die Theorien von Buckminster Fuller oder C.G. Jung haben ihn ebenso beeinflusst wie die Literatur von Johann Wolfgang Goethe und William Blake oder aber die Ausführung von Andy Warhols Auftrag, das nächtliche Fernsehprogramm nahtlos anzusehen, damit ihm nichts entginge.
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Das Projekt «DABLOIDE» des Moskauer Künstlers Leonid Tishkov nahm seinen Ursprung vor mehr als 20 Jahren. Es fing alles mit Comics und Alben an, später kamen noch Bücher und ein Theaterstück dazu, dann kamen Objekte, Videos, Installationen, Performances und schließlich die Gründung des Verlags und der Gesellschaft «Dablus» zur Propaganda der dabloiden Ideen. Ausgestellt wurden die «Dabloiden» in Museen weltweit, u.a. dem Museum für Zeitgenössische Kunst in Caracas, Block Museum und im Nasher Museum (USA), dem Zentrum für Zeitgenössische Kunst Fargfabriken in Stockholm. Das MoMA in New York hat Werke von Leonid Tishkov als erste Cartoon-Arbeiten europäischer Kunst in seine Sammlung aufgenommen.
Jetzt sind die Dabloiden nach Berlin gekommen: Comic-Bilder von «Propaganda-Dablus» sowie die Installation «Fabrik der Dabloiden», die als Aktion 2009 auf dem Kammgarn Kombinat in Jekaterinburg am Ural entstanden ist. Dabei hat der Künstler die entlassenen Arbeiter dafür bezahlt, dass sie Dabloide herstellten. Dabloide sind Lebewesen unseres Bewusstseins, in der Form an einen roten Fuß mit einem kleinen Kopf erinnernd. Rot ist die Farbe des Lebens. Dabloide sind ein Symbol für die Lasten an Erfahrungen, Sichtweisen oder Vorurteilen, die jeder Mensch mit sich trägt. Wir schleppen sie mit uns herum, unter dem Arm oder auf den Schultern, wohin wir auch gehen und wen immer wir treffen. Ein Teil unserer Dabloide sind weltweit verbreitet, andere sind eher lokal anzutreffen. Dabloide beinhalten alle unsere Symbole und Ideen: Heimat, Kanzler, Nationalität, Religion, Parteien, Gagarin, Big Mac, Nationale Front, Fahne auf dem Reichstag. Dabloide sind das ultimative Symbol, das für alle Symbole unserer Welt stellvertretend ist.
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