Archive for the ‘JWD’ Category

Zwei Wochen in Lissabon (1)

Samstag, Oktober 5th, 2013

O Lissabon, du meine Heimstatt!
(Pessoa, 74)

Lisboa 001
Das ist Fernando Pessoa (1888 – 1935). Es ist sehr ungewöhnlich, dass der Platz neben ihm frei ist. Meist drängen sich dort die Leute, um sich mit ihm fotografieren zu lassen. Sie missdeuten seine Handbewegung als Einladung; er will aber allein sein.
In diesem kleinen Reisebericht zitiere ich aus seinem „Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares„, passende Reiselektüre für einen Lissabonaufenthalt.

Die Reise beginnt in Berlin-Schönefeld.
Wir sind sehr früh am Flughafen. Bei der Gepäckabgabe ist es herrlich leer. Wir brauchen keine 10 Minuten anzustehen, bis man uns mitteilen kann, dass Koffer für den Flug nach Lissabon erst in einer Viertelstunde angenommen werden.

Wir setzen uns wenige Meter vom Flughafengebäude entfernt auf eine Bank. Am Abend vor einer Urlaubsreise überprüfen wir immer unsere Koffer anhand einer Checkliste. Diese Liste enthält all diese Dinge, die wir irgendwann einmal im Urlaub vermisst haben, Korkenzieher, Ohrstöpsel, ein Fernglas und solches Zeug. Seit einigen Jahren enthält diese Zusammenstellung auch das Stichwort „Sitzunterlagen“. Wir haben es auch vor unserer Lissabon-Reise nicht geschafft, in einem Outdoorladen nach solchen Hämorrhoidenbremsen zu fragen. Gestern abend hat es Gabi gereicht, kurz entschlossen bastelte sie im Keller zwei handliche, zusammenklappbare Unterlagen aus Schaumstoff. „In Lissabon brauchen wir die Dinger nicht“, meinte ich. Damit werde ich bestimmt recht haben, aber die Bank in Schönefeld ist nass und es tut gut, die Unterlagen dabei zu haben. Mit trockenem Hintern können wir das Flughafenumfeld gut beobachten.

Taxis entladen ihre Fahrgäste. Ein Engländer hat es besonders eilig auszusteigen. Einige Schritte weiter hätte er schon gehen können, er kotzt in den Busch hinter unserer Bank. Das Nachtleben in Berlin soll ja ganz ordentlich sein. Später kommt eine Sammlerin mit drei großen Aldi-Tüten voller Pfandflaschen. Sie versteckt ihre Schätze in der Hecke und setzt mit leeren Tüten ihre Jagd fort.

Ich empfand plötzlich so etwas wie Zärtlichkeit für diese Menschen. Eine Zärtlichkeit wie man sie für die allgemeine menschliche Mittelmäßigkeit empfindet, für das Banal-Alltägliche des Familienoberhaupts, das zur Arbeit geht, für sein schlichtes und fröhliches Heim, für die heiteren und traurigen Vergnügen, aus denen sein Leben notgedrungen besteht, für die Unschuld eines Lebens ohne Analyse … Sie gehen ihren Weg und legen dabei einer wie der andere Verhalten zutage, die Bewusstsein ausdrücken, und haben von nichts Bewusstsein, da ihnen nicht bewusst ist, dass sie Bewusstsein haben.
(Pessoa, 70)

Gabi hat wieder etwas Pech mit ihrem Platz. Neben ihr sitzen zwei Hochgeschwindigkeitssprecherinnen, die sich viele Jahre nicht gesehen haben. Die lautstark ausgetauschten Neuigkeiten nehmen kein Ende und Gabi wird in Lissabon all die Seiten noch einmal lesen müssen, auf die sie sich jetzt versucht zu konzentrieren.
Neben mir sitzt ein älteres Ehepaar, Engländer vielleicht und (natürlich) wesentlich älter als ich. Beide haben eine schwache Blase und halten mich in Bewegung. Aus Gründen der Bequemlichkeit werden irgendwann die Schuhe ausgezogen. In Easyjetflugzeugen ist es eng und als der Mann erneut die Toilette aufsuchen muss, spart er sich das Anziehen der Schuhe und er geht auf Socken ins Kabuff. Nicht ganz trockenen Fußes kehrt er zurück. Das erinnert mich an eine Zugfahrt von Kiew nach Saporoshje. Dort hätte man Gummistiefel gebraucht, um die Toilette nutzen zu können. Das ist aber viele Jahre her, ich habe inzwischen ein recht erfolgreiches Training zur Vermeidung von Toiletten in Transportmitteln hinter mir.

Zwitschern in Lissabon
Hier werden wir es zwei Wochen aushalten. Von unserer Terrasse haben wir weite Blicke über die Stadt und den Tejo.

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Auszeit

Dienstag, September 17th, 2013

Hier geht es erst am 7. Oktober weiter.
Dann sicher auch mit interessanten Parkettierungen von Plätzen und Fußsteigen. Wir sind in Portugal unterwegs.

Muster7

Muster2

Fußsteige in Ponta Delgada, Sao Miguel, Azoren

Marseille XI (Jetzt ist es aber genug!)

Sonntag, September 15th, 2013

Marseille 217
Spiegelbild

Jetzt habe ich es geschafft. Alle Fotos unserer Marseille-Reise sind in dieser Flickr-Gruppe.

Zollenspieker Fährhaus

Mittwoch, September 4th, 2013

Hamburg 35

Vom kleinsten Restaurant der Welt hat man einen weiten Blick über die Elbe.

Hamburg 37

Hamburg 36

KOMM_RÜBER

Dienstag, September 3rd, 2013

Hamburg 13

Internationale Bauausstellung Hamburg

Hamburg 12

Neues in Wilhelmsburg

Montag, September 2nd, 2013

Bastelarbeit 4

Das Hamburger Architekturbüro BAT (Bureau for Advanced Tectonics)[stellt] für drei Monate eine dreidimensionale Raumskulptur aus carbon- und glasfaserverstärktem Kunststoff (CFK/GFK) aus. Es wird aus einem nur 10 cm dicken Band geformt. Die 2,30 Meter hohe und 8 Meter breite Raumskulptur ist Sitz- und Spielmöbel, Kunstobjekt und Architekturstudie in einem.
(mehr hier)

Bastelarbeit 5

Stuhlmannbrunnen

Donnerstag, August 29th, 2013

Am Wochenende finden unsere Kunstspaziergänge in Hamburg statt. Berichte davon gibt es aber erst ab Montag.

Hamburg086

Die Konkurrenz zwischen Hamburg und Altona um den Fischhandel ist auch Thema des von P. Türpe 1900 geschaffenen Stuhlmannbrunnens vor dem Altonaer Bahnhof: Zwei Kentauren kämpfen um einen Fisch. Diesen Kampf hat Altona gewonnen. Es wurde zum größten Anlandeplatz der deutschen Fischfangflotte. Erst 1934 erfolgte die Zusammenlegung mit dem Hamburger Fischmarkt.

Marseille X (Walter Benjamin)

Samstag, August 24th, 2013

Marseille 099 Männlein

Walter Benjamins Beziehung zu Marseille ist die Geschichte von Extremlagen, von Ausnahmezuständen, die sein Leben und wahrscheinlich auch seinen Denken beschleunigt und – als hätte in Marseille eine Zeitbombe getickt – verfrüht seinem tragischen Ende entgegengetrieben haben.
(mehr hier)

Marseille 097

Marseille 090 Wäsche

Marseille IX (Funny Zoo)

Freitag, August 23rd, 2013

Ganz Marseille ist ein lustiger Zoo.

Marseille 080 Rhino

Marseille 029

Marseille 084 Wisent

Marseille 082 Stier

Marseille 086 Giraffe

Marseille VIII (Schöner Empfang)

Donnerstag, August 22nd, 2013

Marseille 061 Bahnhofstreppe

Die Bahnhofstreppe zum Bahnhof St. Charles in Marseille wurde 1848 erbaut und verbindet den Boulevard d’Athènes mit dem Bahnhofsvorplatz.

Marseille 058 Bahnhofstreppe

Marseille 060 Bahnhofstreppe

Noch bevor meine erste Woche in Marseille zu Ende ging, hatte es sich offenbar in der gesamten nicht besetzten Zone herumgesprochen, dass ein Amerikaner aus New York gekommen war, wie ein Engel vom Himmel gefallen sei, Taschen voller Geld und Pässe habe, so dass er jedes beliebige Visum im Handumdrehen besorgen konnte.
Wer war dieser mysteriöse Mister Fry aus New York, der am 14. August 1940 die große Bahnhofstreppe in Marseille zum Boulevard d’Athènes hinabstieg und im Hotel „Splendide“ nach einem Zimmer fragte?
(hier geht es weiter mit Der Amerikaner Varian Fry in Marseille 1940-41)

Marseille 064 Bahnhofstreppe

Genau drei Stunden braucht der doppelstöckige Hochgeschwindigkeitszug für die 769 Kilometer von Paris, stündlich wandeln neue Ankömmlinge über 104 Stufen die monumentale, von pseudoantiken Skulpturen gesäumte Bahnhofstreppe hinunter, genießen dabei den Traumblick auf Marseille. Links die trutzige Kathedrale Notre-Dame-de-la-Garde, hoch oben in den Felsen.
(hier mehr)

Marseille 062 Bahnhofstreppe