Archive for März, 2013

Im Kunstraum Kreuzberg

Samstag, März 9th, 2013

between appropriation and interventions
Mariannenplatz

between appropriation and interventions
Moritz Hirsch

between appropriation and interventions

Ein Wochenende in Erfurt – Bachskulpturen

Freitag, März 8th, 2013

BWV 2001

Im Bachjahr 2000, das mit zahlreichen Veranstaltungen zum 250. Geburtstag des großen Komponisten begangen wurde, fand in Erfurt auch ein internationales Bildhauersymposium statt. Es widmete sich unter fachübergreifendem Ansatz dem Thema „Struktur und Form in der Musik von Johann Sebastian Bach“. Die Ergebnisse dieses Symposiums sind heute in der Grünanlage vor der Martinsbastion der Zitadelle Petersberg zu bewundern.
Auch wenn die Kunstwerke dem Betrachter auf den ersten Blick nicht ihre Bestimmung preisgeben, schließen sie doch eine Lücke in der hiesigen Erinnerungslandschaft. Denn es ist durchaus berechtigt, in Erfurt an Johann Sebastian Bach zu erinnern. Er stammte aus einer in der Region weit verzweigten Musikantenfamilie, sein Großvater Christoph wirkte von 1642 bis 1654 in Erfurt als Stadtmusikant, Bachs Vater Johann Ambrosius lebte bis 1671 in Erfurt und heiratete 1668 in der Kaufmannskirche die Kürschnermeistertochter Elisabeth Lämmerhirt, Bachs Mutter.
Die familiären Bande zu den Erfurter „Bachen“ und Dienstgeschäfte führten J. S. Bach später zu Kurzbesuchen in die Stadt, unter anderem zur Abnahme der neuen Orgel in der Augustinerkirche 1716. Im Übrigen ist Herzog Johann Georg I. von Sachsen-Eisenach schuld daran, dass Bach kein gebürtiger Erfurter geworden ist. Hatte er doch den Wunsch von Bachs Vater im Herbst 1684 abgelehnt, aus dem Hofdienst entlassen zu werden und wieder nach Erfurt als Stadtmusikant zurückkehren zu dürfen. (hier)

BACHsteine

Symphonie

B*A*C*H

Ein Wochenende in Erfurt – Sonntag

Donnerstag, März 7th, 2013

Erfurt 059

Erfurt 058

Fast wäre eine Fotoausstellung zu unserem Verhängnis geworden.

Wenn Gabi nicht gefragt hätte, ob wir uns nicht ein wenig ausruhen könnten, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, nach der Uhrzeit zu fragen. Nach der Uhrzeit musste ich fragen, weil ich nun schon seit Beginn meiner persönlichen Handyzeit – diese Zeitrechnung beginnt mit dem Kauf eines Smartphones vor ungefähr fünf Jahren – auf eine Armbanduhr verzichte. Der Armbanduhr war allerdings just zu diesem Zeitpunkt der Saft ausgegangen, so war die Umgewöhnung fast erzwungen.
Mein Zeitmesser lagerte während des Besuchs der Fotoausstellung in einem Schließfach der Kunsthalle Erfurt.

Die Kunsthalle befindet sich gleich gegenüber dem Rathaus und vom Rathaus bis zum Bahnhof benötigt man zu Fuß ca. 15 Minuten, wenn man denn den Weg kennt. Aber das ist kein Problem für uns, denn die Erfurter Innenstadt kennen wir nach unseren gestrigen Spaziergängen topologisch genau.
Als Gabi auf meine Zeitanfrage antwortete, dass es kurz nach dreizehn Uhr sei, war es zwar Zeit die Ausstellung zu verlassen, aber noch lange kein Grund für hektische, unkontrollierte Aktivitäten. Unser Zug fuhr ja erst in 30 Minuten.

Wir haben es sogar geschafft, vor Abfahrt noch eine Original Thüringische Rostbratwurst zu essen. Die hat genau so geschmeckt wie die Original Thüringische Rostbratwurst, die es am Bahnhof Zoo gibt. Die Welt ist klein.

Am Morgen haben wir gegen 9.30 Uhr das Hotel verlassen, sind zum Bahnhof gebummelt, haben dort den Koffer deponiert und hatten dann 3,5 Stunden Zeit, um uns noch die zwei Ausstellungen anzusehen, die wir uns noch ansehen wollten, um unseren Kunstausflug komplett zu machen. Zum einen wollten wir uns in der Galerie Waidspeicher im Kulturhof zum Güldenen Krönbacken umsehen, zum anderen waren da noch die Foto-Ausstellungen in der Erfurter Kunsthalle (weiter am Textanfang).

Erfurt 071

Erfurt 070

Ein Wochenende in Erfurt – Rathaus

Mittwoch, März 6th, 2013

Erfurt 041

Erfurt 050

Das Rathaus befindet sich auf einem der bemerkenswertesten Plätze der Stadt, dem Fischmarkt. (hier)

Erfurt 048

Die Wandgemälde in den Fluren und Aufgängen sind von Eduard Kämpffer (1859 – 1926), die Ausmalung der Festsaales in den Jahren 1878 bis 1882 schuf Peter Janssen (1844 –1908).
(hier)

Der zweibeweibte Graf

Bei der Ankunft auf der Burg Gleichen in Thüringen preist er seiner Frau die Verdienste der Sultanstochter, ohne die er Sklave geblieben, seine Frau Witwe und die Kinder Waisen wären. Die beiden Frauen vertragen sich aufs Beste, sie teilen mit dem Grafen das Bett und nach ihrem Tod das Grab. (hier)

Erfurt 045

Ein Wochenende in Erfurt – Sonnabend

Dienstag, März 5th, 2013

Erfurt 031

Erfurt 036

„Wissen Sie, warum man stinkreich sagt?“
„Weil die Erfurter ihr vieles Geld vor allem durch Waid verdient haben. Diese Blaufärbepflanze zu verarbeiten, bedurfte es allerdings größerer Mengen männlichen Urins, also wurden an den Ausgängen der Wirtshäuser Fässer aufgestellt …“

Weil man es so selten erlebt, sollte ich es erwähnen: Das Frühstück im Hotel war ausgezeichnet. Alles, was das Herz begehren könnte (leider brauche ich zum Frühstück nur sehr wenig) war da und es gab keine Buffetschlangen. Der Kaffee war heiß und kräftig. Da kann man fast vergessen, dass WLAN hier nicht kostenfrei ist. 3€ die Stunde, 9 € einen Tag … man will doch nur mal kurz im Internet gucken, Facebook bestücken oder auf Mails antworten.

Es ist jetzt 14.30 Uhr. Kleine Pause im Hotel. Seit 9.00 Uhr sind wir auf den Beinen. Bei diesem herrlichen Sonnenschein mag man einfach nicht halt machen. Immer weiter und die Stadt bietet ja auch hinter jeder Ecke ein neues Highlight.

Martin Luther sagte über seine Studienzeit in Erfurt, dass diese Stadt „nichts besseres gewest dann ein hurhauß und bierhauß“. Das mit den Hurenhäusern können wir bei dem kurzen Aufenthalt nicht einschätzen, aber Bierhäuser gibt es wirklich eine stattliche Anzahl. Heute erging es uns aber wie so oft, eben hatten wir noch gemeint, dass wir hier die Qual der Wahl hätten um mittags speisen zu gehen, als uns dann der Hunger tatsächlich überfiel, war auf einmal nichts Passendes zu finden. Zu guter Letzt nahmen wir mit einem Griechen vorlieb. Heute Abend gibt es wieder thüringische Kost.

Erfurt 033

Es ist jetzt 20.00 Uhr, gegessen haben wir im Wirtshaus Christoffel mit mittelalterlicher Erlebnisgastronomie. Eigentlich haben wir gar nicht geschmeckt, ob es denn gut oder nicht so gut war, wir waren einfach nur froh sitzen zu können. Auf dem Weg ins Hotel mussten wir dann aber noch ein paar Taschenfläschchen (das könnte ich jetzt nicht mehr locker aussprechen) zur Verdauungsunterstützung kaufen.

Kulturelle Highlights des Tages: Festsaal im Rathaus und Heckelraum im Angermuseum.

Erfurt 009

Ein Wochenende in Erfurt – Heckelraum

Montag, März 4th, 2013

Erfurt 016

Das „Großreinemachen“ wurde prompt und gründlich erledigt, die Mitteldeutsche Zeitung war hoch befriedigt. Schon am 1. April 1933, zwei Monate nach Hitlers Machtantritt, konnte das Blatt aus dem Erfurter Angermuseum berichten, den meisten Schausälen sei kaum noch anzumerken, „welche Orgien der Kunstbolschewismus hier gefeiert hat“. Nur eine „Schreckenskammer“ erinnere noch an „schauerliche Verirrungen des menschlichen Geistes“.

Die angebliche Gruselwirkung ging von einem gewölbten Raum des barocken Hauses aus, den ein Jahrzehnt zuvor der Expressionist Erich Heckel mit figurenreichen Wandbildern zum Thema „Lebensstufen“ geschmückt hatte.
(mehr hier)

Erfurt 018

Ein Wochenende in Erfurt – Freitag

Sonntag, März 3rd, 2013

Erfurt 001

Am Morgen haben wir uns so richtig Zeit gelassen. Sonne ist erst für den Nachmittag versprochen. Das ist ein gutes Zeichen für unseren Ausflug, denn trotz unseres über den Winter erschütterten Glaubens an das heliozentrische Weltsystem hat sich das Zentralgestirn heute laut Wetterbericht entschlossen hervorzukommen. Es will uns auf unserem Ausflug nach Erfurt frühlingsgerecht leuchten. Heute ist der meteorologische Frühlingsanfang, den habe ich am Vormittag noch phänomenologisch unterstützt, indem ich ein Vogelhäuschen an der Pergola angebracht habe.

Am Bahnhof Südkreuz wird bekannt gegeben, dass unser Zug nach Leipzig von einem anderen Bahnsteig fährt. Leider vergisst man anzusagen, dass auch die Wagenreihung eine total andere ist. Wir müssen uns durch mehrere Waggons quetschen und plötzlich, unsere Plätze sind schon in Sichtweite, will die Schaffnerin in der größten Drängelei die Fahrkarten sehen. Sie will uns nicht durchlassen, dabei bin ich frisch rasiert. Ich hoffe, ich muss mich an diesem Wochenende nicht oft so aufregen, sonst versagt mein Rasierwasser.

Die Züge sind immer gut gefüllt. Die Leute verreisen viel. Warum nehmen sie nicht ihr schönes Auto?

Es ist jetzt 12.47 Uhr. Noch 15 Minuten bis Leipzig. Noch keine Sonne zu sehen. Wann beginnt der Nachmittag?

Eine Frau hinter mir kauft einen Kaffee und wundert sich über den Preis: „2,80€ – das sind ja sechs Mark!“

Der Zugwechsel hat geklappt, aber auch der Zug von Leipzig nach Wiesbaden über Erfurt ist rappelvoll. Gut, dass wir Plätze reserviert haben.

13.45 Uhr und es ist immer noch nicht nachmittags. Auf den Feldern sind Schneereste. Unser Zug nähert sich Erfurt. Die Landschaft wird immer heller … immer mehr Schnee. Das war so nicht abgemacht. Sonne sollte die Landschaft erleuchten.

„Im März 1913 fährt Kafka tatsächlich zu Felice Bauer nach Berlin, sie versuchen zusammen spazieren zu gehen, doch es klappt nicht.“ (aus: Florian Illies 1913 – Der Sommer des Jahrhunderts).

Erfurt 005

Im März 2013 fährt MT mit GB nach Erfurt, sie versuchen schon am Anfangstag die Stadt zu erkunden, und es klappt. Allerdings haben sie sich am Freitag nur einen Überblick verschafft, es bleibt für das Wochenende noch viel zu tun.

In einem Gasthaus am Wenigemarkt essen wir die ersten hausgemachten Thüringer Klöße. Die schmecken aber auch gut.

Im Kunsthaus Erfurt stellen YEA aus. Yeah, YEA – Young Erfurt Artists.

Erfurt 004