Archive for the ‘Ausstellungen’ Category

HAP Grieshaber

Sonntag, Februar 8th, 2009

HAP

Dem schwäbischen Künstler Helmut Andreas Paul Grieshaber, der am 15. Februar 100 Jahre geworden wäre, wird im Kunstforum der Berliner Volksbank mit einer umfassenden Ausstellung gewürdigt. HAP Grieshaber wird dabei als politisch sensibler Zeitchronist gezeigt, der mit seinen Werken nicht nur Zeichen gegen politische Ungerechtigkeiten oder die Zerstörung der Umwelt setzte, sondern mit agitatorischen Plakaten auch aktiv ins politische Geschehen eingriff.
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Berlins verborgener Olymp

Samstag, Februar 7th, 2009

Götter

Der Rundgang im Obergeschoß des Nordflügels im Pergamonmuseum beginnt mit einer – in aufeinander folgenden kleineren Kabinetten oder größeren Sälen installierten – monographischen Präsentation einzelner Gottheiten. Darunter sind Athena, Lieblingstochter des Zeus und für so gegensätzliche Bereiche wie das Handwerk, den Ölanbau und den Krieg zuständig, die Zwillinge Apollon und Artemis mit ihren Wirkungsbereichen Musik und Jagd, die Liebesgöttin Aphrodite oder der Wein- und Theatergott Dionysos.Andere Götter werden in Gruppen präsentiert, was ein bezeichnendes Dilemma der archäologischen Forschung widerspiegelt: Fehlen einschlägige Attribute, die für die eine oder die andere Göttergestalt charakteristisch sind, ist eine sichere Identifizierung häufig nicht möglich.
(Die Rückkehr der Götter)

Pergamonmuseum

Universum Klee

Samstag, Januar 10th, 2009

Klee

Das Universum Klee in der Neuen Nationalgalerie

Als komplette Parallelwelt ist das Universum Klee auch durch die schiere Vielzahl der Werke eine bildnerische Enzyklopädie von geradezu titanischem Ausmaß zu allen Schönheiten und Schrecken unserer Welt, zu ihren Ängsten, Hoffnungen und Sehnsüchten, zu Leben und Sterben, zu all den ersten und letzten Dingen. Ein Universum, wie es mit solcher Welthaftigkeit wie Spiritualität in der deutschen Kunst vergleichbar noch bei Albrecht Dürer und Joseph Beuys und in der Literatur bei Johann Wolfgang von Goethe vorkommt. Ein Universum, das Klee selbstbewusst mit der göttlichen Schöpfung vergleicht und das diese Ausstellung erstmals wie ein orbis pictus in fünfzehn Kapiteln von der Geburt bis zum Tod nachzeichnet.
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Klee Berlin

Klees Serie Potsdamer Platz
Die zehn Federzeichnungen dieser Serie aus dem Jahr 1919 schuf Klee als Illustrationen der Erzählung
Potsdamer Platz oder die Nachte des neuen Messias. Ekstatische Visionen von Curt Corrinth,
die 1920 beim Conrad Müller Verlag in München erschien. „Die Dichtung ist nicht gerade besonders, aber ganz dankbar“, schrieb Klee Im Januar 1920 an Alfred Kubin. Diese distanzierte Einschätzung gab Klee eine innere Freiheit hinsichtlich der visuellen Interpretation des Textes, die teilweise ins Parodistische umkippte. Betitelt mit Zitaten aus Corrinths Schrift ergänzen die Zeichnungen die rauschhaft erotisierte Prosa mit grotesken Fantasien eines Berlins der chaotischen und ereignisreichen Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, wobei das Spiel mit kosmischen und apokalyptischen Motiven eine besondere Rolle spielte. Raum und Zeit überlagern sich ebenso wie Bild und Erzählung: So wie Corrinth räumliche Metaphern in seinen Text einbaute, nutzte Klee narrative Elemente in seinen Zeichnungen. Im pathetischen Bombast von Eros und Ekstase tritt die Großstadt Berlin als sich unkontrolliert vermehrendes und lasterhaftes Metropolenmoloch auf.
(JM/CT im Katalog der Ausstellung)

Political/Minimal

Montag, Januar 5th, 2009

MoMA-Kurator Klaus Biesenbach sieht die Krise des Kunstmarkts als Chance: In der Berliner Gruppenausstellung „Political/Minimal“ zeigt er, dass Politkunst und formale Abstraktion keine Gegensätze sein müssen.

Eine Führung durch die Ausstellung mit dem Kurator Klaus Biesenbach.

Käfige
Käfige von Tom Burr im Hof der Kunstwerke

2006 standen die beiden Käfige in der Mulackstraße.

Käfig
Mulackstraße, Oktober 2006

Humboldt-Forum

Sonntag, Januar 4th, 2009

Wettbewerb

Heute endet die Ausstellung der Wettbewerbsbeiträge zum Humboldt-Forum. Jetzt ist es an der Zeit klarzustellen, dass der Wettbewerb nur ein Scherz war. Die Architekten sind leider alle auf die Vorgaben hereingefallen und haben tatsächlich die Schlossfassade einbezogen.

Wettbewerbsbeitrag

Nun kann der echte Wettbewerb für ein modernes Humboldt-Forum beginnen, spektakuläre Architektur für eine aufregende Stadt.

Frust

Freitag, Januar 2nd, 2009

Der erste Kunstspaziergangsfrust in 2009:
Die Galerie Eva Bracke stellt Künstler aus Detroit vor,
aber leider nicht für uns. Um 14 Uhr war die Galerie noch geschlossen (versprochene Öffnungszeit am Freitag 12 bis 18 Uhr).
Die Ausstellung endet am 4. Januar. Das wird also nichts mehr, schade.

Galerie Eva Bracke

Memory

Montag, Dezember 22nd, 2008

Memory (2008), Anish Kapoors Auftragswerk für das Deutsche Guggenheim, fügt sich eng in den Ausstellungsraum – ein 24 Tonnen schwerer Tank aus CORTEN-Stahl, dem Wesen nach mehr Volumen als Masse. Seine dünne Haut suggeriert eine Form, die weder permanent noch monumental ist. Das Werk spottet der Schwerkraft, während es sanft die Raumgrenzen – Wände, Boden, Decke – abtastet.

Anish Kapoor

Es ist gelandet, nun steckt es fest. Ein Ei, ein Ufo, ein Unterseeboot? Fremd wirkt es, dieses leuchtend rostrote Stahlobjekt, das im steril weißen Ausstellungsraum der Deutsche Guggenheim Unter den Linden steht: Quer im Raum verkeilt, berührt es Decke und Wände und wirkt trotz seiner 24 Tonnen Gewicht – der Fußboden des Ausstellungsraums musste verstärkt werden – fast schwerelos. „Memory“ hat der in London lebende Künstler Anish Kapoor seine Installation für den Berliner Ausstellungsraum genannt, und wie eine Erinnerung an vergangene Zeiten wirkt sein Stahlobjekt zunächst tatsächlich. Die mit Bolzen und Nähten verschweißten Stahlplatten haben in ihrer handwerklichen Präzision etwas von Industrialisierung, von neunzehntem Jahrhundert. Ein Schiffsrumpf, ein Heizungskessel könnte so gefertigt sein, auch Richard Serras monumentale Skulpturen kommen einem in den Sinn. Und gleichzeitig assoziiert man, zumindest in Berlin, sofort Krieg, Bomben, Granaten: „Das habe ich nicht bewusst geplant“, erklärt auch der Künstler, leicht überrascht. „Aber seit die Skulptur hier aufgebaut ist, werde auch ich den Gedanken an Krieg nicht mehr los.“
(Christina Tilmann im Tagesspiegel)

Anish Kapoor

Er baue gern Skulpturen, die größer seien als der Raum, der sie umschließt, hat Kapoor schon häufiger erklärt.

Deep North

Sonntag, Dezember 21st, 2008

Chris Larson in der Galerie magnus müller

Chris Larson arbeitet in den Medien Plastik, Fotografie, Zeichnung, Performance und Video. Bekannt ist er hauptsächlich für seine extravaganten, aus Holz gebauten großformatigen Maschinerien, die mitunter an Maschinen von Leonardo da Vinci oder an Folterinstrumente der Inquisition erinnern. Wie bizarre Überreste einer anderen Zeit stehen sie im Mittelpunkt seiner Filmarbeiten, die – mit Elementen aus Mythologie, Zauberkunst, Gospelmusik, Landwirtschaft und Nervenheilkunde versetzt – ein mysteriöses, „schwarz-romantisches“ Set ergeben, angereichert durch kunsthistorische Bezüge (Bruegel, Füssli, Piranesi, C. D. Friedrich, Barney), religiöse Metaphern, literarische Verweise (Kafka) und sexuelle Anspielungen. Meist begibt sich ein Hauptakteur als „Sklave der Technologie“ in das komplexe Maschinenwerk, um dabei einen für den Betrachter nicht eindeutigen Zustand der Freude und des Schmerzes zu durchleben. Es bleibt dem Besucher überlassen herauszufinden, was die eigentliche Funktion der Maschine ist und welche Konsequenzen ihr Betreiben nach sich zieht.

Chris Larson

Es ist ein eigentümlicher Apparat«, sagte der Offizier zu dem Forschungsreisenden und überblickte mit einem gewissermaßen bewundernden Blick den ihm doch wohlbekannten Apparat.
In der Strafkolonie, Franz Kafka

Airbag oder Mine?

Donnerstag, Dezember 11th, 2008

schlaff
Fabrice Gygi im COMA

Immer geht es um Wechselwirkungen von Schutz und Aggression. Fabrice Gygi hat sich in den letzten Jahren als subtiler Kritiker von Macht- und Autoritätsstrukturen hervorgetan. Seine Objekte und Installationen bestehen oft aus funktionellen Ausstattungsgegenständen, aus Bühnen, Zelten, Absperrungen, polizeilichen Gerätschaften, wie sie bei öffentlichen, gesellschaftlichen Ereignissen sportlicher oder politischer Natur zeitlich befristet und örtlich ungebunden eingesetzt werden. Diese stecken Handlungsfelder ab. Fabrice Gygi reflektiert soziale und autoritäre Mechanismen, die gesellschaftlichen Ereignissen zugrunde liegen – bisweilen auch gerade dadurch, dass er Assoziationen mit bedrohlichem Unterton inszeniert und „Gefahrenzonen“ schafft, die das Herkommen ihres bedrohlichen Potentials im Unklaren lassen. Er realisiert ein Wartehäuschen für eine Bushaltestelle, Tribünen, Wahlkabinen, Zufluchtsorte, die mit der Ausübung von Macht verbunden sind, oder auch aufblasbare Gegenstände, die schützen (Airbags) oder verletzen (Seeminen).
(hier)

Ein Pan in der Kurfürstenstraße

Dienstag, Dezember 9th, 2008

PAN

Im Hof der Galerie Giti Nourbakhsch steht ein Pan von Sean Landers.

Als 490 v.u.Z. das persische Heer unweit Athens gelandet war, flehten die Athener die Götter um Beistand an. Die nachhaltigste Hilfe sollen sie der Sage nach von Pan erhalten haben, der unter den persischen Kriegern eine Panik auslöste. Zum Dank dafür weihten sie dieser Gottheit eine Grotte am Fuße der Akropolis und ehrten sie alljährlich mit Fackelläufen. Die Römer setzten ihren Feld- und Waldgott Faun mit dem Pan gleich. Seine Gemahlin war Fauna, die Göttin der Tiere.
Der neckische Hirtengott löste aber auch unter den Herden einen Schrecken aus, besonders in der brütenden Mittagshitze. Diese liefen in panischer Furcht davon. Der bocksfüßige Pan oder Faun stellte in Hain und Flur auch gern den Nymphen nach, die er verfolgte und zu erhaschen versuchte, ein beliebter Vorwurf der antiken wie der modernen Kunst. Vielleicht liefen die Nymphen aber nur davon, um die Faune aufzureizen. Woher käme sonst der Begriff Nymphomanie, worunter man gemeinhin Mannstollheit versteht?
Einige Griechen brachten den Namen des Gottes Pan mit dem Wort „pan“ in Verbindung, das All bedeutete. Sie wollten in ihm die Gottheit der allumfassenden Natur sehen. Jedoch ist der Gleichklang der beiden Worte nur zufällig.
Das griechische Wort „Pan“ in der Bedeutung „All“ wurde in der Neuzeit zur Bildung zahlreicher Begriffe verwendet. Panslawismus hießen zum Beispiel die Bestrebungen zur Vereinigung aller slawischen Völker. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam das Schlagwort „Panamerika“ für eine Zusammenfassung aller amerikanischen Staaten auf. 1923 erschien unter dem Titel „Paneuropa“ eine Schrift des Grafen Coudenhove-Kalergi. In ihr wurde der Zusammenschluß aller europäischen Staaten zu einem Alleuropa propagiert. Die Anhänger dieser Idee gründeten eine Paneuropäische Union mit Filialen in vielen Ländern.
Nach einer witzigen Klatschlegende, die freilich mit der Odyssee nicht übereinstimmt, soll Penelope während der Abwesenheit ihrem Gatten Odysseus ein Kind geboren haben, das den Namen Pan erhielt, weil „alle“ Freier an seiner Zeugung beteiligt waren.
(aus:
Helmut Wolle
Götter, Mumien und Hetären
Kulturgeschichtliche Miniaturen
Volk und Wissen, Berlin 1983)