Archive for the ‘Ausstellungen’ Category

Modell Bauhaus

Sonntag, September 20th, 2009

Modell Bauhaus – Die Ausstellung
22. Juli – 4. Oktober im Martin-Gropius-Bau

Vor 90 Jahren gründete Walter Gropius in Weimar das Bauhaus. Es sollte nur 14 Jahre existieren, aber dennoch die wichtigste Schule der Moderne werden. Mit Josef Albers, Herbert Bayer, Marcel Breuer, Lyonel Feininger, Johannes Itten, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Gerhard Marcks, Adolf Meyer, Georg Muche, László Moholy-Nagy, Hinnerk Scheper, Oskar Schlemmer, Joost Schmidt, Lothar Schreyer und Gunta Stölzl wirkte am Bauhaus unter der Direktoren Walter Gropius (1919-1928), Hannes Meyer (1928-1930) und Ludwig Mies van der Rohe (1930-1933) ein Kollegium von internationalem Ruf.

Wabe
Mies van der Rohe, Hochhaus am S-Bahnhof Friedrichstraße, Entwurf 1922

Anfang und Ende des Rundgangs bildet das Werk des größten der Bauhaus-Architekten Ludwig Mies van der Rohe, dem Berlin die Neue Nationalgalerie am Kulturforum aus dem Jahr 1968 verdankt. Im ersten Raum ist der berühmte Entwurf des damals 36-Jährigen für ein Hochhaus am Bahnhof Friedrichstraße aus dem Jahr 1922 dokumentiert, ein Gebäude wie ein Kristall, nur aus Stahl und Glas, ein visionärer Ausblick auf die Architektur der Nachkriegsmoderne (aber mit der Konstruktionstechnik der 20er-Jahre gar nicht zu realisieren, wie wir heute wissen). Und im letzten Raum, umgeben von edlem Palisanderfurnier, sehen wir die Möbel-Klassiker des Architekten, der als letzter Bauhaus-Direktor die Schule kurz nach dem Umzug in die Reichshauptstadt 1933 auf Druck der Nationalsozialisten schließen musste.
(mehr hier in der Morgenpost)

Hochhaus an der Friedrichstraße

Art Brut Berlin

Sonntag, September 13th, 2009

In Westberlin war Helga Goetze stadtbekannt. Fast täglich hielt die Aktivistin ab 1983 an der Ruine der Gedächtniskirche oder der TU- Mensa ihre Mahnwache für die sexuelle Befreiung: „Ficken macht friedlich! – Ficken ist Frieden“ stand auf dem Transparent. Schockieren tat das freilich nur westdeutsche Touristen und ein paar Omis, die sie ab und zu beschimpften. Der Rest der Stadt verehrte sie, wie etwa der Filmemacher Rosa von Praunheim, der ihr in „Rote Liebe“ ein filmisches Denkmal setzte und als „vielleicht wichtigste und radikalste Person“ rühmte, die zum Thema Sexualität etwas zu sagen habe.
(mehr bei Kito Nedo in der Berliner Zeitung, hier)

Helga Goetze

Aktuell waren (bis gestern) einige Sachen von Helga Goetze in der Galerie September ausgestellt.
Helga Goetze hat ein Universum von gestickten Bildern geschaffen. Allein für die Stickereien gehört ihr ein Platz in der Kunstgeschichte.
Das Art Brut Museum in Lausanne besitzt fünf großformatige Stickereien von Helga Goetzte.

Abstraktion und Einfühlung

Dienstag, September 8th, 2009

Buthe
Michael Buthe, 1970

Abstraktion und Einfühlung
Deutsche Guggenheim

Sie gilt als eine der bahnbrechendsten kunsthistorischen Schriften des 20. Jahrhunderts: Wilhelm Worringers 1907 veröffentlichte Dissertation Abstraktion und Einfühlung. Worringers Ideen veränderten nicht nur den akademischen Blick auf die Kunstgeschichte, sondern stießen gerade im Umfeld der noch jungen Moderne, so bei Vertretern von zukunftsweisenden, abstrakten Positionen wie Wassily Kandinsky oder Franz Marc, auf große Resonanz. Inspiriert von Worringers Thesen hat Carmen Giménez, Kuratorin für Kunst des 20. Jahrhunderts am Solomon R. Guggenheim Museum, New York, die Ausstellung Abstraktion und Einfühlung organisiert, für die Papierarbeiten der Sammlung Deutsche Bank und bedeutende Einzelleihgaben aus dem Solomon R. Guggenheim Museum, der Albers Foundation und privaten Sammlungen zusammengestellt wurden. Die Schau im Deutsche Guggenheim nähert sich Worringers ästhetischen, philosophischen und psychologischen Theorien in dialogischer Form an. Im Zentrum der Ausstellung stehen die rund hundert Zeichnungen, Aquarelle und Drucke aus der Unternehmenssammlung, die in der Gegenüberstellung Worringers nachhaltigen Einfluss auf die Rezeption der Moderne bis heute veranschaulichen: von Josef Albers, Michael Buthe, Blinky Palermo und Thomas Schütte. Ergänzt werden diese durch eine kleine Auswahl erstklassiger Leihgaben: Gemälde von Philip Guston, Paul Klee und Piet Mondrian.

Schauseiten der Materie

Montag, September 7th, 2009

Stillleben
James Higginson

Nur noch bis zum 12. September! Unbedingt sehenswert!

Stillleben in Fotografie und Malerei in der Tammen Galerie

Es geht um „Stillleben“ in dieser Ausstellung, und gleichberechtigt hängen hier zeitgenössische Fotografien und Gemälde einander gegenüber. Schier unendliche wie unglaubliche Facetten tun sich auf im alten – von der Kunstgeschichte mal geliebten, mal verworfenen – Genre. Auf den Ölbildern von Florian Pelka dreht sich alles um abgründige „Fleischeslust“: Sauköpfe thronen so dramatisch wie gespenstisch auf der Tafel, an der kein Mensch sitzt, nur eine Puppe ergreift schreiend die Flucht. Das Büffett aus lauter wüsten Farbschlieren sieht nicht bekömmlich aus und lässt eher an Lustmord denken, denn an eine festliche Tafel. Im nächsten Pelka-Motiv gerät ein unschuldiger Teddybär aus dem Kinderzimmer in einen blutigen Jagdrausch. Was für Schauseiten der Materie!
(I. Ruthe in der Berliner Zeitung, hier)

Ceal Floyer Show

Sonntag, September 6th, 2009

Die Arbeiten von Ceal Floyer (*1968) bedürfen stets eines aufmerksamen Blickes und einer bildnerischen Auseinandersetzung. Präzise und beziehungsreich fordert Floyer in ihren reduzierten Installationen, Objekten und Filmen die Wahrnehmung heraus, legt analytisch Wesensstrukturen frei, verkehrt sie und enthüllt deren stille Poetik.
(Pressetext: KW Institute for Contemporary Art)

CF1

Großer Auftritt in Rot. Die romantische Assoziation eines glühenden Sonnenuntergangs überm Meer drängt sich auf, ist aber nicht gemeint. In diesem Rot lebt auch nicht das sengende, fressende Feuer der Sonne. Es ist viel tiefer und dunkler, viel gekünstelt dramatischer, als die Natur es vorführen könnte. Es ist wie Theaterblut.
(Ingeborg Ruthe in der Berliner Zeitung, hier)

CF4

CF5

CF3

Ihre Pointen sind leise, Schönheit und Poesie muss der Betrachter in ihren Arbeiten schon selbst finden.
(mehr hier)

CF2

Ceal Floyer in: … 5 minutes later
Ceal Floyer – Die einfachen Dinge (Marcus Woeller)

Übergangsgesellschaft

Freitag, September 4th, 2009

Porträts und Szenen
1980 bis 1990

Übergangsgesellschaft

[Die] Musealisierung der DDR [hat] inzwischen einen Stand erreicht …, der die damals gelebten Wirklichkeiten nicht nur fern, sondern schon leicht irreal erscheinen lässt.
„Übergangsgesellschaft“ erzählt Verlustgeschichte: Hier wird einem klar, was man anhaltend vermisst nach dem Ende der DDR – diesen vorbehaltlichen, skeptischen Blick.
(Anke Westphal in der Berliner Zeitung, hier)

Sven Marquardt ist Fotograf und Berlins bekanntester Türsteher. Jetzt werden seine Fotografien aus der Subkultur der DDR wiederentdeckt.
(Judka Strittmatter in der Berliner Zeitung, hier)

Böse Dinge

Freitag, August 28th, 2009

Böse Dinge – Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks
Eine Ausstellung im WerbundarchivMuseum der Dinge

8 GByte-Finger

Was ist ein Dekorübergriff, eine Materialvergewaltigung oder eine funktionelle Lüge?
Eine Antwort auf diese Frage erhalten Sie beim Besuch der Ausstellung „Böse Dinge“, die sich auf die vor 100 Jahren von Gustav E. Pazaurek in Stuttgart eröffnete „Abteilung der Geschmacksverirrungen“ bezieht. Pazaurek sammelte über 900 Objekte als abschreckende Negativbeispiele: eine Art Anti-Kanon, der der modernen Guten Form von Werkbund und Bauhaus warnend gegenüberstand. Zum ersten Mal seit den 1930er Jahren sind nun Objekte aus dieser historischen Sammlung des Landesmuseums Stuttgart im Museum der Dinge zu sehen.

Zum Schreien

Diese Plastepupe nach Munchs Schrei ist nach Pauzareks Nomenklatur des Bösen eine Relieftransposition. Das bedeutet die Übertragung von flächenhaften Formen in körperliche Formen oder umgekehrt, wie die Transposition populärer Gemälde ins Dreidimensionale oder einzelner Figuren daraus in die Plastik.

Geschichten aus einem vergangenen Land

Dienstag, August 25th, 2009

Ostzeit

Sibylle Bergemann, Ute und Werner Mahler und Harald Hauswald, vier der bekanntesten ostdeutschen Fotografen und Gründer der Agentur OSTKREUZ, nehmen uns mit ihren Bildern mit in das Land, in dem sie gelebt haben. Aus ihrer subjektiven Sicht heraus zeigen sie den Alltag, die Arbeit und die Menschen in der DDR. Die Fotografien entstanden ab dem Jahr 1972 und erzählen authentisch und ungeschönt von einem Land, das nicht mehr existiert, aber in diesen Bildern konserviert wurde.
(mehr hier)

Schulschwimmen in der Spree
Schulschwimmen unter erschwerten Bedingungen (mit Schlafanzug)

Das war Sommer 1967(?) in der Nähe Strandbad Oberspree. Ja, damals brauchte man noch kein Badeschiff. Man konnte(?), durfte in der Spree noch schwimmen.

Das Paradies ist anderswo

Montag, August 24th, 2009

Das Paradies ist anderswo

Mädchentagtraum #1
Nicole Andrijevic, 2005 – 2009

Paradiese kann man sich nur vorstellen. Sie bleiben unerreichbare Sehnsuchtsräume – auch wenn die Industrie mit Einkaufs-, Urlaubs- und Wellness- Eldorados lockt. In der Ausstellung „Das Paradies ist anderswo“ in der ifa-Galerie Berlin hinterfragen KünstlerInnen aus der Region Asien-Pazifik die Vorstellungen von Paradiesen, die unsere immerwährende Sehnsucht nach dem Garten Eden aufgreifen und entlarven.

Peres Projects hat keine Lust mehr

Samstag, August 8th, 2009

Peres Projects

Ein wenig karg wirkt der Ausstellungsraum bei Peres Projects zur Zeit schon. Aber es ist ja auch Krise und da gibt man sich nicht gerne allzu üppig. Schon gar nicht eine Galerie, die ihren Stammsitz in den USA, dem vermeintlichen Ursprungsort des Desasters, hat. Und tatsächlich will Blair Taylor, Kuratorin von „Story without a Name“ mit dieser Gruppenausstellung, in der sie Werke der in den USA lebenden Künstlern und Künstlerin Carole Bove, Terence Koh, Andrew Lord und Dash Snow vereint, einen Bogen in die Zeit der Großen Depression schlagen.
(M. Jansen in der Berliner Zeitung: mehr hier)

Depressiv hätten auch wir werden können. Gut, dass das Badeschiff zum Abkühlen in der Nähe war. Kunstspaziergänger nehmen weite Wege auf sich, um eine interessante Ausstellung zu besuchen. Leider stehen wir ab und zu vor verschlossenen Galerietüren, obwohl eigentlich geöffnet sein müsste, z.B. heute bei Peres Projects. Der Weg Königs Wusterhausen – Kreuzberg ist weit. Getröstet haben wir uns schließlich damit, dass wir ja auch den Stammsitz der Galerie in LA hätten besuchen wollen. Das wäre erst ärgerlich gewesen.

Badeschiff