Archive for the ‘Ausstellungen’ Category

Brian Alfred

Sonntag, Februar 10th, 2008

Millions now living will never die

Brian Alfred in Haunch of Venison (noch bis zum bis 22. März)
Millions Now Living Will Never Die!!!

Brian Alfred stellt ein ambitioniertes Projekt vor: 333 Porträts von Musikern, Künstlern, Schauspielern, Schriftstellern und Politikern – eine Serie in Tricktechnik, verbunden mit einem Mash-Up-Soundtrack, bei dem unterschiedliche Songs zu neuen Stücken gemischt wurden – vermitteln ein Bild der zahlreichen und vielfältigen Einflüsse des Künstlers. Das Projekt zeigt, dass persönliche Kreativität als potenziell offener und affektiver Prozess verstanden werden kann, da sich bestimmte Einflüsse von Künstler zu Künstler und von Generation zu Generation fortsetzen.
(aus: Faltblatt der Galerie)

Jack

… 5 minutes later

Freitag, Februar 8th, 2008

Auf die Plätze, fertig, los … und 5 Minuten später waren die Werke fertig,
z.B. Taking a line for a 5 minute walk von Ceal Floyer oder die weiße Arbeit o.T. von Thomas Rentmeister.

Über den japanischen Künstler Hokusai geht die Legende, dass er ein in Auftrag gegebenes Bild eines Hahns jahrelang nicht aushändigte. Als nach langer Zeit und vielen Mahnungen der erboste Mäzen im Atelier des Künstlers erschien, zeichnete Hokusai in dessen Anwesenheit in nur wenigen Sekunden das lang ersehnte Bild. Der Mäzen war erzürnt über die Flüchtigkeit der Ausführung und forderte den Künstler zur Rechenschaft. Ohne Worte führte Hokusai ihn in einen weiteren Raum, der angefüllt von Büchern, Modellen, Notizen, Zeichnungen und Skizzen war. Das in nur wenigen Sekunden geschaffene Werk war in Wahrheit die Frucht jahrelanger, mühsamer Arbeit.

Die Ausstellung … 5 minutes later knüpft an den seit dem 13. Jahrhundert in der Kunstgeschichte währenden Streit zwischen disegno und pittura an. Was ist bedeutender: die genuine Skizze oder das ausformulierte Meisterwerk? Jede der eigens für die Ausstellung neu produzierten Arbeiten ist in nur fünf Minuten entstanden. Inspiration sowie Spontaneität der Geste und Unmittelbarkeit der Werke bilden die Essenz und Sprengkraft dieser Gruppenausstellung.
(Info des Veranstalters)

5 Minutes Later

Beim Verlassen der Kunstwerke sah ich eine Persiflage zur Ausstellungskonzeption. Ein Berliner Streetartist hatte für sein Werk die 5 Minuten weit unterschritten:

5 seconds later
… 5 seconds later (unbekannter Künstler, Milch)

Zilleball 1927

Sonntag, Februar 3rd, 2008

Zilleball 1927

Da fuhren die Sechstausend zum Zilleball im Sportpalast vor. Eine ganze Stadt, die sich aus Übermut für eine Nacht in Fetzen und Lumpen warf, der Kurfürstendamm in das Gewand der Ackerstraße, die wohlsituierte Brieftasche in den zerschlissenen Rock des letzten Elends.
Aber draußen, am Eingang, durch die Zäune lugend, stark frierend, standen die wirklichen Zilletypen. ( … )
Durch ihr Spalier mußte der Meister Heinrich Zille hindurch, als er nach 1 Uhr, den Kragen hochgeschlagen, das Milieu des Sportpalastes verließ. Seine Modelle erkannten ihn nicht – aber ihm genÜgte die eine Sekunde des Vorbeigehens an der Hundertschaft der hungernden Krüppel und kessen Raben, um sie alle, alle zu sehen und ihrer aller Schicksal zu erkennen. Das hängte sich in seine Gedanken und machte seine Schritte schwer, als er langsam und nachdenklich seiner Mansarde zustrebte. Und er dachte bei sich: »Alles schön und gut, aber ein Zilleball war es nicht. (…) Es ist ja auch gar nicht wahr, daß ich ein Humorist bin. In den Lustigen Blättern sind meine Bilder bloß deshalb erschienen, weil kein anderer als der wackere Dr. Eysler den Mut hatte, sie zu bringen. In Wahrheit waren sie ja zum Weinen statt zum Lachen gemacht. (…) Wenn ich zu bestimmen hätte, wo mein Denkmal hinkäme, möchte ich es lieber vor dem Zentralarbeitsnachweis als auf einem Ball im Sportpalast haben.«
(Peter Sachse im Berliner Journal, Nummer 155, 1927)

Heinrich Zille

Nun, ein Arbeitsamt gibt es da nicht, aber im Nikolaiviertel steht seit einigen Wochen die Skulptur eines sehr schlanken Heinrich Zille. Die Skulptur wurde von Torsten Stegmann anlässlich des 150. Geburtstages von Zille geschaffen.
Es gibt gegenwärtig einige Ausstellungen zu Zilles Ehren in Berlin, letztens sahen wir auch einige Arbeiten in der Galerie Leo.Coppi.

Der Faustkämpfer vom Quirinal

Samstag, Februar 2nd, 2008

Die Bronzestatue eines sitzenden Boxers (gefunden 1885 beim Quirinalshügel in Rom) aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. (?) ist im Alten Museum zu Gast.
Literaturempfehlung:
Paul Zanker Der Boxer in Luca Giuliani (Hrsg.) Meisterwerke der antiken Kunst, C. H. Beck, 2005

Faustkämpfer vom Quirinal

Theokrit (Übersetzung Dietrich Ebener)
Loblied auf Kastor und Polydeukes (Die Dioskuren)
(hier: der Faustkampf zwischen Polydeukes und Amykos)


Als sich die Gegner die Fäuste verstärkt mit geflochtener Stierhaut
und um die Arme geschlungen hatten die mächtigen Riemen,
trafen sie zwischen den Scharen mordschnaubend aufeinander.

Wie überwand des Kroniden Sprößling den gierigen Riesen?
Sag es mir, Göttin, du weißt es! Als Sprecher von anderen will ich
alles berichten, nach deinem Wunsch und deinem Gefallen!

Einen entscheidenden Schlag gedachte Amykos zu führen,
packte mit seiner Linken die Linke des Gegners, zum Ausfall
schräg nach vorne gebeugt, und ließ aus der Hüfte, im Ansturm,
mächtig die Rechte hervorschnellen; wäre die Absicht gelungen,
hätte er sicher zu Fall gebracht den König Amyklais.
Dieser entzog sich dem Stoß durch Wendung des Kopfes, mit starker
Faust zerschlug er die linke Schläfe, bedrohte die Schulter –
gleich entquoll ein düsterer Blutstrom der klaffenden Schläfe -,
traf mit der andern den Mund, so daß die Zahnreihen krachten,
hämmerte dann mit stets schnelleren Schlägen das Antlitz zuschanden,
bis er die Kiefer zertrümmert hatte; halb ohnmächtig, stürzte
nieder Amykos und hob, zum Zeichen des Aufgebens, beide
Hände zugleich in die Höhe; denn nahe stand er dem Tode.

Mäuse im Labyrinth

Freitag, Februar 1st, 2008

Kounellis

Die Jannis-Kounellis-Ausstellung wird tierisch gut besucht. Die Arte Povera des Griechen mit Verweisen auf das Lebensnotwendigste wie Bohnen, Kaffee, Mais, Linsen und Kichererbsen in Jutesäcken zieht Scharen von Museumsmäusen an. Minotaurus wird der Plage nicht Herr. Die Kunst soll jetzt mit Gift versetzt werden.

Berliner Museumsportal

Mittwoch, Januar 30th, 2008

Lichtskulptur

Das ist der Hamburger Bahnhof, eines der über 180 Museen in Berlin. Wer soll da den Überblick behalten?
Kein Problem, denn es gibt jetzt das MUSEUMSPORTAL BERLIN

Emilio Vedova

Montag, Januar 28th, 2008

Eine grandiose Emilio-Vedova-Retrospektive in der Berlinischen Galerie

Sie [Durchdringungen-Übertragungen] entstanden in wenigen Monaten zwischen 1987 und 1988 und folgten zwei unterschiedlichen Typen: die einen, mit arabischen Zahlen nummeriert, sind mit Weiß auf schwarzem Grund gemalt, die anderen, mit römischen Zahlen, umgekehrt, mit Schwarz auf weißer Leinwand. Die beiden Nicht-Farben, die von jeher im visuellen Universum Vedovas präsent waren, werden hier mit einer gänzlich neuartigen Technik erneut nebeneinander gestellt. Er ging von einem auf den Boden gelegten Untergrund aus, einer Art Matrize, auf die er, als handele es sich um eine Monotypie, direkt das Schwarz oder das Weiß auftrug und so ein erstes Bild erhielt. Danach legte er, als handle es sich um eine Art Schweißtuch, einen Stoff darauf und übertrug durch eine Folge von Berührungen, Druckausübungen und andere Handbewegungen auf dessen Rückseite die Malerei des darunterliegenden Untergrunds. Das Ergebnis auf dem daraufhin abgenommenen Stoff, ein Bild, das bis dahin auch dem Künstler selbst unbekannt geblieben war, wurde so „enthüllt“ und erschien als Übertragung der ursprünglichen Matrize.
(Text aus dem Katalog von Simona Brunetti)

Durchdringungen
(Durchdringungen-Übertragungen; aus dem Katalog der Ausstellung)

Als Sankt Dada Einzug hielt (taz)
Die Befreiung des Bildes von der Wand (Berliner Zeitung)
Der Berseker tanzt Walzer (Tagesspiegel)

Eingekochtes Leben

Samstag, Januar 26th, 2008

Ausstellung Befunde in der Galerie Weißer Elephant mit Installationen von Alexandra Süßmilch und Mark Formanek

Bürste, eingeweckt

Eine verschlossene Wohnung in Berlin. Zehn Jahre hat niemand die Räume betreten. Der Bewohner ist auf der Flucht – vor den Mietschulden, dem Finanzamt und seinem alten Leben.
Die Künstlerin und Bühnenbildnerin Alexandra Süßmilch hat die komplette Wohnung in fast zweitausend Einmachgläser eingekocht und als begehbare Installation eingerichtet.
Entstanden ist so ein faszinierendes Dokument der Tragödien und Glücksmomente eines Lebens.
(Projekt, Phantome des Hausbesitzers)

Kunstszene am Hauptbahnhof

Freitag, Januar 25th, 2008

Es gibt sieben neue Galerien in der Heidestraße; auf dem Bild der glitzernde Tiefkühlraum in AA Galleries.

Tiefkühlbar

Die Frau im Pelz führt mit ausladender Geste ihren langbeinigen Dobermann an der Leine. Sie lacht schrill, der Begleiter raunt ihr englische Brocken ins Ohr. Wir flanieren nicht etwa am Broadway. Draußen brennt eine Mülltonne zwischen den Lagerhallen auf dem alten Industriegelände; rote Lichter blinken auf Schornsteinen. Wir befinden uns auch nicht in der Bronx, sondern in Berlin, einen Katzensprung vom Hauptbahnhof entfernt, in der Heidestraße.
(mehr von Inga Haese in der Berliner Zeitung)

Gegenwärtig ist es ein Abenteuer, die Tür Nr. 50 zu öffnen.

AA Galleries

Kounellis Labyrinth

Sonntag, Januar 20th, 2008

Jannis Kounellis in der Neuen Nationalgalerie
Im gläsernen Tempel der Neuen Nationalgalerie hat Jannis Kounellis in die obere Halle aus großen, geschweißten Stahlelementen ein von Kohle bekröntes Labyrinth gebaut, in das er verschiedene seiner Arbeiten eingebettet hat. Das Labyrinth bezieht sich auf das legendäre Labyrinth des Königs Minos auf Kreta.

Jannis Kounellis

Das berühmteste Labyrinth … war jenes, das Dädalus für König Minos errichtet hat. Es diente als Gefängnis. Dieser Irrgarten … war dazu bestimmt als Verlies für den Minotaurus zu dienen, ein Geschöpf, das aus dem unerlaubten Beischlaf der Königin mit einem Stier hervorgegangen war.

Selbst auf die Gefahr hin, eine Allerweltsweisheit zu verkünden: aus der Paarung einer Frau mit einem Stier kann keinesfalls ein Kind entstehen. Die Anerkenntnis dieser einfachen wissenschaftlichen Tatsache bringt mich auf einen ziemlich interessanten Verdacht: König Minos errichtete das Labyrinth nicht als Gefängnis für ein Ungeheuer, sondern als Versteck für ein missgebildetes Kind – sein Kind.
Während der Minotaurus … oft als ein Wesen dargestellt wird, dessen Hinterleib dem eines Stieres gleicht; der Vorderleib jedoch dem eines Menschen, hat er in der Sage lediglich den Kopf eines Stiers, aber einen menschlichen Körper;
ist dort also mit anderen Worten als Mensch mit entstelltem Gesicht beschrieben. Vermutlich war es sein Stolz, der Minos zu akzeptieren hinderte, dass der Erbe seines Thrones eine derart abscheuliche Erscheinung war. Deshalb setzte er das Gesetz der Erbfolge außer Kraft, indem er seine Gemahlin Pasiphae öffentlich der Unzucht mit einem männlichen Rind bezichtigte.

Diese Vermutung ist aus DAS HAUS von Mark Z. Danielewski. Dort ist dieser Text durchgestrichen. Warum? Das ist eine andere Geschichte.